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Der Markt setzt derweil weiterhin auf Technologiewerte und gibt sich alle Mühe, die bestehenden Gefahren zu ignorieren, beobachtet Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Hier sein aktueller Marktkommentar:
Der neue Fed-Präsident Kevin Warsh schlug bei seiner ersten Sitzung einen eher restriktiven Tonfall an und löste eine Abflachung der Renditekurve für US-Staatsanleihen aus. Eine Reihe von Fed-Mitgliedern prognostiziert eine geldpolitische Straffung in den kommenden Monaten, und Zinsfutures preisen eine Anhebung um 25 Basispunkte bei der Sitzung im September ein, mit einer möglichen weiteren Anhebung Anfang nächsten Jahres.
Dass die Fed ihren Ausblick (Forward Guidance) bewusst zurückfährt, bedeutet, dass in Zukunft die Datenlage für Kurs und Zeitpunkt künftiger geldpolitischer Maßnahmen maßgeblich sein wird. Inflationsrisiken stehen dabei im Fokus: Der Verbraucherpreisindex dürfte nächste Woche einen Preisanstieg von hohen 3,4 % im Jahresvergleich zeigen. Aktualisierte Daten noch vor der nächsten Sitzung der Fed könnten zu einer Zinserhöhung schon im Juli führen – dagegen sprechen allerdings sinkende Ölpreise aufgrund des vorläufigen Friedensabkommens mit dem Iran.
Andererseits könnten Anzeichen für eine weitere Abschwächung der Inflation Warsh dazu veranlassen, eine Zinserhöhung über den September hinaus aufzuschieben. Bleiben die finanziellen Rahmenbedingungen jedoch akkommodierend und der Aktienmarkt in Hochstimmung, so dürfte die starke wirtschaftliche Dynamik das Tempo einer Inflationsumkehr begrenzen. Aus dieser Perspektive erscheint eine Zinserhöhung im September unserer Ansicht nach als vernünftiges Basisszenario.
Dennoch: Die Fed sendet eine klare Botschaft, dass nun jede Sitzung potenziell eine Sitzung mit geldpolitischen Entscheidungen sein kann. Die Finanzmärkte sollten sich künftig stärker auf die Wirtschaftsdaten konzentrieren und sich weniger von Tweets aus dem Weißen Haus ablenken lassen. Warshs Entscheidung, eine Reihe von Arbeitsgruppen einzurichten, um Aspekte der Mandatsausübung der Fed zu überprüfen, verschafft ihm Spielraum. So könnte er in Zukunft Maßnahmen mit der Begründung aufschieben, er wolle zunächst die Ergebnisse der Arbeitsgruppen abwarten – oder ihnen die Verantwortung für unpopuläre Maßnahmen zuschieben. Bemerkenswert ist zudem, dass diese Initiativen zu einem Zeitpunkt stattfinden, zu dem die Regierung daran arbeitet, die Zahl der Posten bei den regionalen Federal Reserves zu reduzieren. Dies versetzt Warsh in eine starke Position, um intern innerhalb des Fed-Systems Einfluss auszuüben.
Was die Inflation betrifft, so sind die Break-even-Raten in der vergangenen Woche gesunken, wobei Inflationsswaps einen Teil ihrer bisherigen Wertentwicklung wieder abgegeben haben. Da die aktuelle Spot-Inflation deutlich über den derzeit in inflationsgebundenen Anleihen eingepreisten Raten liegt, gleicht ein positiver Carry von fast 200 Basispunkten – bei einer Gesamtinflation von 4,2 % – den Rückgang der Break-even-Raten selbst aus.
Kann die Fed die Inflation in absehbarer Zeit wieder auf das Zielniveau senken, nachdem sie dieses Ziel bereits seit mehr als fünf Jahren verfehlt? Warsh bekräftigt sein Bekenntnis zur Preisstabilität, berücksichtigt bei den Inflationszahlen aber nur die große Ziffer links des Kommas. So könnte ein Wert im „hohen Zweierbereich“ für den neuen Fed-Vorsitzenden durchaus als akzeptabel sein. Die Inflation bliebe dann über einen längeren Zeitraum deutlich über 2,0 %.
Die Umsetzung eines Abkommens im Nahen Osten trug im Laufe der Woche dazu bei, die Stimmung bei Risikoanlagen zu stützen, während die Ölpreise nachgaben. Der Markt möchte die anhaltenden Risiken für Lieferketten und die Gefahr erneuter Feindseligkeiten in der Region gerne ignorieren, was sich nicht zuletzt in der anhaltenden Hausse im Technologiesektor zeigt, etwa im Kursanstieg der SpaceX-Aktie um 50 % unmittelbar nach Börsengang.
Kevin Warshs neuer Ansatz könnte den Spielraum für Unsicherheit und Marktvolatilität vergrößern. Jede geldpolitische Sitzung ist jetzt ein Live-Ereignis. Durch zurückhaltende Kommunikation lässt Warsh den Markt im Ungewissen und hält sich Optionen offen.
Da Warsh zudem dazu neigt, sowohl das Zinsniveau als auch die Bilanzsumme als Instrumente im Arsenal der Fed zu betrachten, ist es durchaus denkbar, dass er eine restriktivere Geldpolitik eher über aktives Bilanzmanagement erreichen möchte, und weniger über Zinserhöhungen. Insbesondere wenn übermäßig lockere finanzielle Rahmenbedingungen spekulatives Verhalten begünstigen und so den Inflationsdruck verstärken, könnte eine Eindämmung durch ein restriktiveres Liquiditätsregime ein besserer Weg als ein Zinsschritt sein.
Weitere Schlussfolgerungen können wahrscheinlich noch warten, doch anderswo in Washington scheint das Leben für einen unter Beschuss stehenden US-Präsidenten immer schwieriger zu werden. Inländische Kommentatoren und sogar viele eigene Parteimitglieder haben Trumps Vereinbarung mit dem Iran sehr kritisch bewertet. „Epic Fury“ hat die Position des iranischen Regimes im Nahen Osten gestärkt und die Welt zu einem gefährlicheren Ort gemacht. Der Krieg hat zudem die Grenzen der US-Militärmacht offenbart, was weitere internationale Abenteuer in den kommenden Monaten und Jahren beschränken könnte.
Unterdessen verläuft auch Trumps Lieblingsprojekt, die Säuberung des Reflecting Pool am Lincoln Memorial, alles andere als reibungslos. Weit entfernt von dem angekündigten makellosen „American-Flag-Blue“ hat sich in der vergangenen Woche ein ziemlich greller Grünton ergeben. Nach dem Iran setzt Trump jetzt also eine Algenblüte zu. Aber gut, Umweltpolitik war ja nie seine Stärke.
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