Im Dunklen

Aug 14, 2026

Nicht immer sieht man klar – manches erfährt man erst im Nachhinein.

Egal ob es um einen Präsidenten in Catering-Lieferwagen geht, um Währungen, die ohne Vorwarnung abgestoßen werden, oder um eine Zentralbankpolitik ohne Forward Guidance. Die Sonnenfinsternis wird zum Sinnbild einer Woche, in der mancher sich überrascht oder überrumpelt fühlte, sagt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

Die Märkte waren diese Woche verhalten – Hitzewelle und Sonnenfinsternis waren die wichtigsten Gesprächsthemen in Europa. Der US-Verbraucherpreisindex für Juli lag bei 3,4 % im Gesamtindex und bei 2,5 % im Kernindex.

Nach dem schwachen US-Arbeitsmarktbericht der vergangenen Woche stuft der Markt die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im September auf nur noch 35 % ein. Vor wenigen Wochen war sie noch fast vollständig eingepreist. Allerdings werden vor der Septembersitzung noch weitere Daten veröffentlicht werden, in denen sich die höheren Energiepreise niederschlagen werden; daher gehen wir davon aus, dass die Inflation wieder ansteigen wird.

Es dürfte also noch zu früh für den Schluss sein, dass die Fed die Zinsen im September nicht anheben wird. Sollten die Wirtschaftsdaten in den nächsten Wochen mit unseren eigenen Einschätzungen übereinstimmen, rechnen wir weiterhin damit, dass eine Mehrheit des Offenmarktausschusses für eine Anhebung um 25 Basispunkte stimmen wird.

Ohne Forward Guidance gewinnt die Datenlage an Bedeutung, auch wenn der Datenkalender für den Rest dieses Monats eher ruhig ist. Die Märkte warten auf Kevin Warshs Aussagen in Jackson Hole Ende des Monats.

Da die Arbeitsgruppen des Vorsitzenden jedoch noch einige Wochen und Monate davon entfernt sind, ihre Ergebnisse vorzulegen, dürfte Warsh nur sehr wenig mitteilen können. Ohne Forward Guidance werden die Märkte sich daran gewöhnen müssen, dass der Fed-Vorsitzende deutlich weniger sagt – so wie es etwa auch unter Alan Greenspan der Fall war.

Dieser Ansatz wird jedoch nur funktionieren, wenn Warsh die anderen Mitglieder des Offenmarktausschusses dazu bewegen kann, ihre Ansichten ebenfalls für sich zu behalten. Sonst liefe er durch sein Schweigen Gefahr, die Deutungshoheit zu verlieren. Es wird interessant sein zu beobachten, ob er sich in dieser Frage durchsetzen kann.

Die Renditen von US-Staatsanleihen und die Spreads von Investment-Grade-Unternehmensanleihen bewegten sich in der vergangenen Woche in einer engen Spanne. Ungeachtet der Diskussionen über das steigende Angebot an Unternehmensanleihen, das in den letzten Monaten zu einer fortschreitenden Ausweitung der Spreads für die KI-Hyperscaler geführt hat, bewegt sich der Spread des Index für US-Investment-Grade-Unternehmensanleihen seit Ende April weiterhin in einer engen Spanne zwischen 75 und 80 Basispunkten und damit auf dem gleichen Niveau wie Ende Dezember letzten Jahres.

Die Credit-Nachfrage wurde in den vergangenen Monaten durch höhere absolute Nominalrenditen gestützt, wobei die Nachfrage vor allem von renditeorientierten Anlegern ausging. Angesichts eines geringen Rezessionsrisikos und günstiger Finanzierungsbedingungen half in den letzten Monaten die reichlich vorhandene Liquidität, Nachfrage nach neuen Anleihe- (und Aktien-)Emissionen zu generieren. Allerding besteht Sorge, die Nachfrage könnte versiegen, sobald die Geldpolitik gestrafft wird und Liquidität aus dem System abfließt.

Die Wirtschaftstheorie besagt, dass ein stetiger Anstieg der Emissionen von Staats- und Unternehmensanleihen letztendlich weitere potenzielle Kreditnehmer aus dem Markt drängen muss. Ausfallzyklen können entstehen, wenn Kreditnehmer nicht mehr in der Lage sind, ihre laufenden Schulden zu tragbaren Konditionen zu refinanzieren. Diese möglichen Schwierigkeiten scheinen für die Anleger aktuell allerdings noch keinen Grund zur Sorge darzustellen.

Trotz der Sommertemperaturen ist der Herbst nicht mehr weit, und die erschöpften Gasreserven müssen noch vor dem Winter wieder aufgefüllt werden. Die Hoffnungen auf ein Ende des Konflikts und sinkende Preise sind geschwunden, und ganz allgemein lohnt es sich auch weiterhin, die Crack-Spreads im Blick zu behalten, den Preisunterschied zwischen Rohöl und dem fertigen Produkt, etwa Benzin oder Diesel. Aktuell liegen sie bei 65 US-Dollar. Viele Produkte werden somit auf einem Niveau gehandelt, das nicht weit unter den im zweiten Quartal dieses Jahres verzeichneten Höchstständen liegt.

Ausblick

Es dürfte keine große Überraschung sein, wenn die kommende Woche erneut ruhig verläuft. Die Berichtssaison ist vorbei, wir befinden uns zwischen den Sitzungen der Zentralbanken und der Kalender ist arm an bevorstehenden Wirtschaftsdaten – zu einer Jahreszeit, in der sich viele eine Auszeit von ihren Bildschirmen gönnen. Allerdings können gerade in solchen Momenten Überraschungen die Märkte unvorbereitet treffen, und das Unbekannte kann die größten Auswirkungen auf die Märkte haben.

Apropos Unbekanntes: Es war interessant, zu erfahren, Präsident Trump sei über einen Catering-Lkw aus der Air Force One in ein anderes Flugzeug geschmuggelt worden. Das sollte uns eine Erinnerung sein, in was für gefährlichen Zeiten wir leben, wenn auch diese spezielle Episode vielleicht eher an einen „Saturday Night Live“-Sketch als an einen James-Bond-Film erinnern mag.

So wie der Rest der Besatzung der Air Force One im Unklaren gelassen wurde, was nach dem Vorfall zu einer gewissen Empörung führte – so fühlte man sich wohl auch auf den Fluren der EZB im Unklaren gelassen: Im Zuge der jüngsten Yen-Maßnahmen der USA wurden ohne Rücksprache Euro abgestoßen.

Sinnbild der Woche ist die Sonnenfinsternis, die Teile der Welt ja ebenfalls im Dunkeln ließ. Man fragt sich unweigerlich, was derzeit vor sich geht, wovon wir nichts erfahren, und was die nächste große Entwicklung sein wird, die erst nachträglich ans Licht kommt. Wir werden die Augen offen halten.

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