Wer macht hier die Spielregeln?

Jun 12, 2026

Trump möchte das Iran-Abenteuer hinter sich lassen und sich lieber auf Fußball konzentrieren – ob die iranische Regierung das zulässt?

Der neue Fed-Präsident Kevin Warsh wiederum dürfte sein Augenmerk auf die Preisstabilität richten – auch wenn Trump ihn für eine ganz andere Politik ausgewählt hat. Ebenso wie Fußballfans beim umstrittenen Videobeweis fragen sich Beobachter gerade, wer hier die Spielregeln macht, analysiert Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

Trumps Hinweis auf ein bevorstehendes Abkommen mit dem Iran führt am Donnerstag zu einer Erholung von Renditen und Risikoanlagen. Zuvor hatten sich die regionalen Spannungen durch eine Reihe von Vergeltungsschlägen verschärft. Es bleibt abzuwarten, ob wirklich eine Einigung erzielt wird – solch eine Situation erleben wir nicht zum ersten Mal.

Trump will sich offensichtlich aus Nahost zurückziehen, doch es wird schwierig werden, den Eindruck einer demütigenden Niederlage zu vermeiden. Selbst ein Friedensabkommen könnte sich als instabiles Gleichgewicht erweisen. Die Aussicht auf erneute Konflikte wird bestehen bleiben, wobei Israel und die Länder des Golf-Kooperationsrats geschwächt zurückbleiben würden, sollte sich die Regierung in Teheran durchsetzen können. Die politische Lage in der Region dürfte in den kommenden Monaten fragil bleiben, mit Risiken für die globalen Lieferketten. Wir sehen im Moment das Risiko, dass die Ölpreise eher steigen als fallen könnten.

Ein solider US-Verbraucherpreisindex hatte in der vergangenen Woche den Aufwärtsdruck auf die Renditen von US-Staatsanleihen weiter verstärkt. Eine wachsende Zahl von Indikatoren deutet darauf hin, dass die Politik der Fed derzeit eher akkommodierend als restriktiv ist. Aktuell halten wir es für unwahrscheinlich, dass die Fed Zinserhöhungen in Betracht zieht. Angesichts weiterer Aufwärtsrisiken für die Preise im Laufe des Sommers können wir uns aber für den September eine sehr lebhafte Fed-Sitzung vorstellen.

Wir bekräftigen weiterhin unsere Ansicht, dass Kevin Warsh nicht so zurückhaltend ist, wie manche ihn wahrnehmen. Natürlich hat er sich Anfang des Jahres zurückhaltend geäußert, um sich einen begehrten Posten zu sichern. Wir gehen jedoch davon aus, dass er nach seinem Amtsantritt als Fed-Vorsitzender darauf hinarbeiten wird, die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen. Sein Schwerpunkt wird auf Preisstabilität liegen in einer Zeit, in der Lebenshaltungskosten ein zentrales politisches Thema sind.

Wir behalten unsere Short-Positionen bei US-Staatsanleihen bei und glauben zudem, dass inflationsgebundene Renditen auf Breakeven-Basis eine überzeugende Chance bieten. Die US-Inflation liegt seit mehr als fünf Jahren über dem Zielwert und wird dies voraussichtlich auch in absehbarer Zukunft tun. Darüber hinaus weisen wir weiterhin darauf hin, dass der Boom bei der KI-Infrastruktur den Inflationsdruck verstärkt. Folglich ist es überraschend, dass das Vertrauen des Marktes in eine Rückkehr zu deutlich niedrigeren Inflationsniveaus noch nicht auf die Probe gestellt wurde.

In der Eurozone hat die EZB bei ihrer Sitzung im Juni den Leitzins um 0,25 % angehoben. Sie scheut sich jedoch davor, sich im Voraus auf weitere geldpolitische Straffungsmaßnahmen festzulegen. Wir bezweifeln, dass es zu zwei Zinserhöhungen in Folge kommen wird. Wenn die Inflation jedoch deutlich über dem Ziel der EZB bleibt, erscheint eine weitere Anhebung im September möglich.

Da das Wachstumsumfeld in der Eurozone jedoch deutlich schwächer ist als in den USA, dürfte die regionale Inflation schneller wieder auf das Zielniveau zurückkehren, was eine Umkehr der Zinserhöhungen im Jahr 2027 ermöglichen dürfte. Vor diesem Hintergrund fühlen wir uns bei kurzfristigen Renditen in der Eurozone weiterhin wohler und rechnen weiterhin mit einer relativen Outperformance von Bundesanleihen gegenüber US-Staatsanleihen.

Ausblick

Da das BIP der Eurozone für das erste Quartal aufgrund sehr schwacher irischer Daten auf -0,2 % gegenüber dem Vorquartal korrigiert wurde, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit einer technischen Rezession im ersten Halbjahr. Lieferkettenstörungen in Nahost könnten in der zweiten Jahreshälfte das Risiko weiterer Abwärtsbewegungen erhöhen.

Höhere Credit Spreads reagieren stets sensibel auf wachsende Rezessionsrisiken, was Herabstufungen und höhere Ausfallraten nach sich ziehen können. Die Rahmenbedingungen sind ungünstig für eine weitere Verengung der Spreads – wobei zu beachten ist, dass die Spreads trotz einer wesentlichen Veränderung der wirtschaftlichen Aussichten auf einem engeren Niveau liegen als zu Beginn des Jahres 2026.

Und so hoffen wir, während die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt und wir uns auf Kevin Warshs erste Fed-Pressekonferenz nächste Woche freuen, dass weder er – noch die umstrittenen Videobeweis-Systeme – die Spielregeln ändern werden.

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