Heißer Sommer, feurige Rhetorik – doch die Fed bleibt cool

Jul 24, 2026

Vielerorts auf der Nordhalbkugel richten Feuer Verwüstung an, und wer kann, bringt sich in Sicherheit.

Fed-Chair Kevin Warsh arbeitet mit klaren Worten weiter an seinem Image als Kämpfer gegen die Inflation, braucht seinen Worten doch vorerst keine Taten folgen zu lassen, analysiert Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten üben diese Woche weiterhin Aufwärtsdruck auf die globalen Anleiherenditen aus. Höhere Energiepreise werfen erneut Fragen zum Inflationsdruck und der Notwendigkeit einer strafferen Geldpolitik auf.

Einerseits lassen die Feuergefechte im Persischen Golf keine schnelle Normalisierung der Handelsströme durch die Straße von Hormus erwarten, andererseits scheint die US-Regierung weiterhin wenig Interesse an einem langwierigen Konflikt zu haben, der zu einer Entsendung von Bodentruppen auf iranisches Gebiet führen würde.

Vor diesem Hintergrund ist in den Märkten weiterhin die Erwartung verankert, dass die Gespräche irgendwann in den kommenden Wochen wieder aufgenommen werden, weshalb die jüngsten Auswirkungen auf Risikoanlagen eher verhalten ausfielen. Vor den US-Zwischenwahlen und vor dem Hintergrund einer breiten Ablehnung der Kosten eines Krieges gegen Iran dürfte Trump bald einen Kurswechsel anstreben. Iran hingegen scheint in seinen Forderungen so unnachgiebig wie eh und je zu sein. Aus Irans Sicht blufft die US-Regierung lediglich.

Das daraus resultierende „Chicken“-Spiel – wer gibt zuerst auf? – ist gefährlich. Trump möchte nicht mit Kapitulation in Verbindung gebracht werden. Die Entwicklung ist schlecht vorhersehbar, und Anleger können kaum planen. In diesem Fall erscheint es uns am sinnvollsten, auf Einstiegspunkte für Trades zu warten, die mit einem potenziell asymmetrischen Renditepotenzial überzeugen. Sollten wir unterdessen eine größere Marktverwerfung erleben, könnte dies deutlich attraktivere Einstiegspunkte für Long-Risikopositionen schaffen.

In den USA steht nächste Woche eine Fed-Sitzung an. Diskussionen über eine geldpolitische Straffung sind zu erwarten, doch nach den jüngsten, niedrigen Inflationszahlen dürfte Kevin Warsh keinen unmittelbaren Handlungsdruck verspüren und die Entscheidung auf die nächste Sitzung im September verschieben.

Sollte die US-Wirtschaft zu diesem Zeitpunkt jedoch robust bleiben und sofern sich die Ölpreise weiterhin nahe dem aktuellen Niveau bewegen, ist im Herbst mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte zu rechnen. Obwohl der Rohölpreis selbst unter 100 US-Dollar bleibt, ist die Situation bei den Raffinerieprodukten in Wirklichkeit deutlich angespannter, da die Crack-Spreads auf historisch hohen Niveaus liegen, was eher mit WTI-Preisen um die 130 US-Dollar pro Barrel vereinbar erscheint.

Da sich die höheren Benzin- und Dieselpreise in größerem Umfang auf die Preise für Konsumgüter auswirken, gehen wir davon aus, dass die Inflation in den USA wahrscheinlich höher bleiben wird als von den Märkten eingepreist, und halten US-Inflationsswaps für unterbewertet.

Man kann zuversichtlich bleiben, dass Kevin Warsh sich restriktiv geben und alles in seiner Macht Stehende tun wird, um seine Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation zu untermauern – möglichst ohne vorerst tatsächlich etwas zu unternehmen. Dies könnte vorerst zu einer weiteren Abflachung der US-Zinskurve führen. Gleichzeitig verschlechtert sich die Haushaltslage der USA jedoch weiter und die Kosten für Trumps Krieg im Nahen Osten steigen. Daher gehen wir davon aus, dass dies ein Faktor sein könnte, der zu einem späteren Zeitpunkt zu einer erneuten Steilstellung der Kurve führen könnte.

In Europa hängt die Inflation stärker am Erdgaspreis. Die europäischen Energieversorger scheinen ihre Lagerbestände noch nicht für den Winter aufgefüllt zu haben, wohl in der Hoffnung, dass die Preise im Laufe des Sommers nachgeben könnten. TTF-Futures, der wichtigste Preis-Maßstab für den europäischen Gashandel, sind nun jedoch wieder auf ihre Höchststände vom März zurückgekehrt. Die Energiekosten dürften deshalb in der zweiten Jahreshälfte 2026 erheblichen Aufwärtsdruck erfahren. Angesichts dieser steigenden Inflation in der Eurozone überrascht es nicht, dass Christine Lagarde bei der EZB-Sitzung in dieser Woche eine eher restriktive Haltung eingenommen hat. Eine zweite Zinserhöhung um 25 Basispunkte in diesem Zyklus wird nun allgemein für die Sitzung im September erwartet.

An den Aktienmärkten hat die Volatilität bei den Bewertungen von Halbleiterunternehmen und Hyperscalern weiter zugenommen. Bedenken hinsichtlich immer umfangreicherer Investitionspläne belasten die Investment-Grade-Anleihen in diesem Sektor. Google geriet diese Woche unter Druck.

Angesichts des hohen Angebots an Anleihen auf dem Markt müssen Neuemissionen gewisse Zugeständnisse machen, um ihre Zeichnungsbücher zu füllen. Wenn jedoch anschließend die Kursprognosen gesenkt werden, führt dies oft dazu, dass scheinbar überzeichnete Neuemissionen Mühe haben, sich überhaupt von ihren Emissionsspreads zu erholen.

In anderen Bereichen des Anleihemarktes verliefen die Marktbewegungen deutlich verhaltener. Dennoch haben sich die Spreads in der vergangenen Woche insgesamt auf den höchsten Stand seit mehr als einem Monat ausgeweitet.

Ausblick

Mit Beginn des Augusts beginnt die Sommerferienzeit – mit geringerer Marktliquidität und höherem Risiko von Marktbewegungen aufgrund makroökonomischer Schocks.

Uns fällt auf, dass viele Anleger seit Beginn des zweiten Quartals tendenziell auf lange Laufzeiten und Risikoanlagen setzen. Grund dafür dürfte das Vertrauen in ein schnelles Ende des Konflikts im Nahen Osten sowie in einen erneuten Trend zu niedriger Inflation und niedrigen Zinsen sein. Diese Annahmen erscheinen heute fraglich. Eine deutlichere Eskalation der Feindseligkeiten könnte zu stärkeren Marktschwankungen führen, als wir sie bisher erlebt haben.

Auch wenn das nicht unbedingt unserer Basisszenario darstellt, scheinen Vorsicht und Disziplin angebracht. Je heißer der Sommer wird, desto wichtiger wird es, ein geschütztes Plätzchen im Schatten zu finden.

Der Krieg im Nahen Osten weitet sich auf das Rote Meer aus, und es ist noch nicht abzusehen, wann eine der Konfliktparteien eine Schmerzgrenze erreicht und an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Die nächste Woche könnte schlechte Nachrichten bringen.

In weiten Teilen der nördlichen Hemisphäre führt der heiße, trockene Sommer zu ausgedehnten Waldbränden – ein Sinnbild dafür, wie plötzlich eine ruhige und friedliche Landschaft ihren Charakter ändern kann, und dass man sein Lager besser nicht am falschen Ort aufschlägt.

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