Lateinamerikas nächste Wachstumswelle

Apr 14, 2026

Christoffer Enemaerke, Portfoliomanager für Schwellenländeraktien, erläutert, was Lateinamerika bewegt: Nearshoring, Finanzialisierung und steigender Konsum.

Auf einen Blick:

  • Seit dem vergangenen Jahr ziehen die lateinamerikanischen Aktienmärkte davon, auch wenn die aktuellen geopolitischen Spannungen die Kurse belastet haben. Grund für die Mehrrenditen sind neben den Wahlsiegen von Mitte-Rechts-Kandidaten auch die steigenden Rohstoffpreise und die Dollar-Abwertung.
  • Nearshoring, steigende Konsumnachfrage und die geringe Durchdringung von Finanzdienstleistungen eröffnen langfristige Chancen in der Region.
  • Kurzfristig gehen Risiken von der Energiekrise und der Dollar-Aufwertung aus. Langfristig sprechen die Fundamentaldaten jedoch für die Region, außerdem wird die Dollar-Stärke voraussichtlich nicht anhalten.


Die lateinamerikanischen Aktienmärkte haben seit 2025 nicht nur die Aktienmärkte der Industrieländer abgehängt, sondern auch andere Schwellenmärkte.1 Für die robusten Renditen gibt es mehrere Gründe:

Strukturelle Faktoren

Der politische Stimmungsumschwung in Lateinamerika, der mehrere Mitte-Rechts-Regierungen an die Macht gebracht hat, wurde von Investoren begrüßt und hatte erheblichen Einfluss auf die Aktienmärkte, und auch die hohen Realzinsen in der Region und der schwache US-Dollar (USD) haben lateinamerikanischen Vermögenswerten Auftrieb gegeben. Lateinamerika profitiert tendenziell stärker von einer Dollar-Abwertung als andere Regionen, so auch in den letzten Monaten. Und die gestiegenen Rohstoffpreise haben ihr Übriges zur Kursentwicklung von Aktien beigetragen.

Allerdings ist die Volatilitätswelle der vergangenen Wochen nicht spurlos an Lateinamerika vorbeigezogen: Der Iran-Konflikt hat eine deutliche Korrektur in Marktsegmenten ausgelöst, die sich zuvor gut entwickelt hatten.

Neue Chancen

Der politische Mitte-Rechts-Kurswechsel in mehreren lateinamerikanischen Ländern wurde von den Märkten begrüßt und bleibt ein zentrales Thema. Eingeläutet wurde der Wandel durch die Wahl von Javier Milei zum Präsidenten in Argentinien, als nächstes kam José Antonio Kast in Chile an die Macht. Stimmen die Prognosen, könnte Peru dem Trend im April 2026 folgen. Und in Brasilien findet im Oktober 2026 die vielleicht wichtigste Wahl statt, in der der amtierende Präsident Lula gegen Flávio Bolsonaro, den Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, antritt. Beide Kandidaten liegen offenbar Kopf an Kopf, der Wahlausgang könnte erhebliche Folgen für den gesamten Kontinent haben.

Die Rohstoffpreise werden auch in Zukunft großen Einfluss auf die Entwicklung Lateinamerikas haben. Chile und Peru gehören zu den größten Kupferexporteuren der Welt und dürften von der hohen Nachfrage nach dem Metall profitieren. Peru ist zudem ein bedeutender Goldexporteur, Brasilien verkauft vor allem Eisenerz, Erdöl und andere Rohstoffe ins Ausland. Eine anhaltend hohe Nachfrage nach – und Preise für – lateinamerikanische Exporte wären ein erheblicher Rückenwind für den Kontinent.

Lateinamerika gehört zudem zu den größten Profiteuren der laufenden Neuordnung globaler Lieferketten: Seit die Pandemie Zweifel an der Resilienz von Lieferketten aufkommen ließ und die Spannungen zwischen den USA und China zunehmen, wollen sich immer mehr Unternehmen unabhängiger von weit entfernten Produktionszentren machen. Die Folge ist ein Anstieg des Nearshoring, also der Verlagerung von Produktion in die Nähe von Endmärkten zur Reduzierung von Logistikkosten, Vorlaufzeiten und Lieferkettenrisiken. Als Nachbar der USA ist Mexiko ein besonders attraktives Ziel, das ausländischen Unternehmen zudem wettbewerbsfähige Arbeitskosten, qualifizierte Arbeitskräfte im verarbeitenden Gewerbe und ein bestehendes Handelsabkommen mit den USA und Kanada (USMCA) bietet. Bei der geplanten Überprüfung des Abkommens im Sommer 2026 steht für Mexiko und Lateinamerika allerdings viel auf dem Spiel: Eine Neuregelung des Vertrags könnte sich auf die Wettbewerbsfähigkeit Mexikos auswirken und Investitionsentscheidungen in der gesamten Region beeinflussen.

Kurzfristige Risiken

Auch der US-Dollar hat weiterhin großen Einfluss auf die Kursentwicklung an den Aktienmärkten Lateinamerikas. In der Vergangenheit war die Korrelation zwischen einem starken Dollar und der relativen Entwicklung der Schwellenländer gegenüber den Industrieländern stark negativ, die Abwertung des Greenback im vergangenen Jahr hat die Aktienmärkte der Schwellenländer daher beflügelt. Sowohl die Schwellenmärkte als auch der US-Dollar bewegen sich tendenziell in längerfristigen Zyklen. Wir vermuten, dass die US-Währung am Anfang eines längeren Schwächezyklus steht und die Schwellenländer von dieser Schwäche profitieren dürften.

Der Iran-Konflikt hat eine Dollar-Aufwertung ausgelöst und diese Dynamik kurzfristig unterbrochen. Sollte dieser Trend anhalten, würden die Schwellenländer zu den Verlierern gehören, als Nettoimporteure von Öl sind sie zudem anfällig für anhaltend hohe Energiepreise. Allerdings sind die asiatischen Volkswirtschaften, die stärker von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängig sind als beispielsweise Lateinamerika, aktuell besonders exponiert. Wir gehen zudem weiterhin davon aus, dass der Iran-Konflikt nur von relativ kurzer Dauer sein wird. Sollte sich der Konflikt entgegen unserer Erwartungen hinziehen, würden die Risiken jedoch steigen.

Die vielversprechendsten Märkte und Sektoren

Langfristig halten wir diejenigen Unternehmen für besonders attraktiv, die von steigendem Binnenkonsum sowie von der Finanzialisierung der Schwellenländer profitieren. Steigende Einkommen, fortschreitende Urbanisierung und die Formalisierung der Wirtschaft in der gesamten Region begünstigen Konsumgüterhersteller, langfristiges Potenzial sehen wir auch bei Finanzunternehmen. In zahlreichen Schwellenländern ist der Banken-, Versicherungs- und Kapitalmarktsektor nur schwach entwickelt und bietet langfristiges Wachstumspotenzial im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs, der den Zugang zu Finanzprodukten und -dienstleistungen verbessert.

Mit seiner großen Mittelschicht ist Lateinamerika in dieser Hinsicht gut aufgestellt, zudem haben Finanzdienstleistungen in den meisten Ländern der Region erhebliches Wachstumspotenzial.

Chancen sehen wir auch in den Märkten Nordasiens, die von steigenden Investitionen in Künstliche Intelligenz profitieren könnten. Südkorea und Taiwan sind Heimat zahlreicher bedeutender Unternehmen aus der KI-Lieferkette, und trotz robuster Kursentwicklung und Bewertungsanpassungen sind beide Märkte langfristig weiterhin attraktiv.

Das strukturelle Potenzial Indiens ist ebenfalls eine Erwähnung wert, auch wenn der Markt im vergangenen Jahr hinter anderen Schwellenmärkten zurückfiel. Indische Aktien sind nicht günstig, doch das Land mit seiner sehr jungen Bevölkerung und zahlreichen erstklassigen Unternehmen gehört noch immer zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt.


1 Bloomberg, stand: März 2026.

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