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Eine starke Eskalation in Nahost scheint fürs Erste vom Tisch zu sein, die Fed könnte im ersten Quartal den vorerst letzten Zinsschritt vornehmen, und die Aussichten für Staatsanleihen sind verhalten positiv, beobachtet Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Hier sein aktueller Marktkommentar:
Die Midterm-Ergebnisse kamen überraschend – selbst für diejenigen, die einen deutlichen Sieg der Demokraten erwartet hatten. Die „blaue Welle“ ist eine Demütigung für die Trump-Regierung.
Trump räumt ein, dass seine Fehlschläge im Nahen Osten eine wichtige Rolle bei der Niederlage seiner Partei gespielt haben. Enge Vertraute, darunter J. D. Vance und Donald Trump Jr., scheinen sich noch weiter distanzieren zu wollen und drängen auf ein Ende des Konflikts, wobei sie ihre eigene Position im Jahr 2028 und darüber hinaus im Blick haben.
Gerüchte deuten auf die Entlassung von „Falken“ wie Pete Hegseth aus der Regierung hin. Damit würde eine deutliche Eskalation des Konflikts mit Iran zum Randrisiko. Ein Friedensabkommen mit Iran dürfte hingegen weiterhin schwierig zu erreichen sein. Doch selbst bei unveränderter Lage im Nahen Osten dürfte die US-Inflation in den nächsten Monaten ihren Höchststand erreichen und bis Mitte nächsten Jahres wieder unter 3 % sinken.
Wir rechnen deshalb weiterhin damit, dass Fed-Chair Kevin Warsh die Zinsen im Dezember anheben wird, gefolgt von einer weiteren Anhebung im ersten Quartal. Danach dürften die Zinsen jedoch unverändert bleiben. Das entspricht auch weitgehend den Markterwartungen, so dass sich kaum mit einem deutlichen Anstieg der Renditen rechnen lässt, es sei denn, das Wachstum wird deutlich schwächer.
Die Gewinne der Demokraten haben in den letzten Handelstagen eine deutliche Trendwende bei KI-bezogenen Aktien ausgelöst. Aus makroökonomischer Sicht sind zwar nun strengere Auflagen beim Ausbau der KI-Infrastruktur zu erwarten, doch gehen wir weiterhin davon aus, dass die Unternehmensinvestitionen in den kommenden Monaten große Summen in die Wirtschaft pumpen werden. Damit bleibt das Umfeld für das BIP robust. Die Aktienbewertungen müssten schon deutlich fallen, bevor eine Änderung des geplanten geldpolitischen Kurses der Fed zu erwarten wäre.
Wir stellen zudem fest, dass die Kursentwicklung der letzten Tage mit dem Abbau von Hedgefonds-Positionen und weiteren Fondsschließungen im Aktienbereich zusammenhängt. Tatsächlich könnte eine durch regulatorische Maßnahmen bedingte Einschränkung von KI-bezogenen Projekten sogar dazu beitragen, dass das Wachstumstempo künftig nachhaltiger ausfällt.
In den letzten Monaten haben ständige Aufwärtskorrekturen der Investitionspläne zu einer Flut von Anleihe- und Aktienemissionen geführt, was die Märkte stark belastet hat, da die Nachfrage nicht mit dem Angebot Schritt halten konnte. Sollte sich diese Entwicklung nun etwas verlangsamen, könnten sich die Spreads für Hyperscaler unserer Meinung nach stabilisieren. Folglich neigen wir dazu, unser Engagement in diesem Bereich aufzustocken, nachdem wir im Laufe des vergangenen Jahres den Aussichten für KI-bezogene Anleihen noch sehr skeptisch gegenüberstanden.
Das robuste BIP-Wachstum in den USA dürfte die Rückkehr des Verbraucherpreisindex (CPI) zum Zielwert der Fed im kommenden Jahr bremsen. Wir gehen jedoch davon aus, dass dies ausreichen wird, um Warsh und andere Fed-Mitglieder zufrieden zu stellen, solange sich der CPI auf einem Abwärtstrend unter 3 % befindet. Weitere Zinserhöhungen über das erste Quartal hinaus dürften nicht erforderlich sein.
In Europa hingegen dürfte der kurzfristige Inflationshöchststand zwar höher ausfallen als in den USA, im kommenden Jahr könnte die Inflation jedoch deutlich stärker zurückgehen. Aufgrund der hohen Benzinpreise könnte der Verbraucherpreisindex der Eurozone im ersten Quartal einen Höchststand von 4,5 % erreichen.
Allerdings dürfte die Inflation bis zum nächsten Jahr um diese Zeit durchaus wieder unter 2 % liegen, da sich die Basiseffekte, die die Inflation bisher nach oben getrieben haben, umkehren werden. Wir sind weiterhin der Ansicht, dass die Märkte die Möglichkeit unterschätzen, dass die EZB nach einer weiteren Zinserhöhung im Dezember dieses Jahres eine Pause einlegen und schließlich noch vor Ende 2027 eine Lockerung vornehmen könnte.
Dieser Ausblick stimmt relativ optimistisch für europäische Anleihen. Der Anstieg der Energiepreise hat zudem zu Aufwärtsdruck auf die Spreads europäischer Staatsanleihen geführt. Sollte sich dieser Trend umkehren, könnten daher Länder wie Frankreich und Italien, die die höchste Schuldenlast tragen, am stärksten davon profitieren.
Obwohl wir gegenüber Frankreich strukturell weiterhin eher pessimistisch eingestellt sind, ist klar, dass Anleger derzeit weitgehend Short-Positionen in OATs halten. Daher könnte es in den nächsten Monaten zu einer Verengung der Spreads kommen – was eine taktische Chance auf der Long-Seite darstellt.
Wir halten ein Auseinanderbrechen der Eurozone in absehbarer Zeit für sehr unwahrscheinlich. Die Spreads von Staatsanleihen sind somit wahrscheinlich weiter, als es eine Analyse der wahrscheinlichen Ausfallraten rechtfertigen würde. Deshalb haben wir während der jüngsten Schwächephase unser Engagement sowohl in Italien als auch in Frankreich ausgebaut. Zudem haben wir erneut Positionen in Rumänien aufgebaut, wo Anleihen nach einem kürzlich erzielten politischen Kompromiss, der dazu beitragen könnte, eine Herabstufung des Ratings abzuwenden, bei einem Spread von über 300 Basispunkten weiterhin attraktives Wertpotenzial bieten.
Auch hinsichtlich der Aussichten für britische Staatsanleihen sind wir nun etwas optimistischer. Obwohl die Gesamtinflation im nächsten Frühjahr möglicherweise über 5 % liegen wird, gehen wir davon aus, dass die Bank of England – sofern sich der Preisdruck nicht weiter ausweitet – die Zinsen nur noch ein- oder zweimal anheben wird. Dies folgt auf ihre Entscheidung, die Zinsen bei der gestrigen Sitzung des Geldpolitischen Ausschusses auf 4 % zu erhöhen. Die Bank of England ist weiterhin zurückhaltender als andere Zentralbanken, da sie der Ansicht ist, dass sich ihre geldpolitische Haltung zu Beginn dieses Jahres bereits im restriktiven Bereich befand.
Ein interessantes Detail diese Woche: Präsident Trump redete um den heißen Brei herum, als es um die Deckenhöhe seines im Bau befindlichen Ballsaals ging, und macht den Eindruck eines gebrochenen Mannes, der altert und zunehmend den Bezug zur Realität zu verlieren scheint.
Es ist möglich, dass die Demokraten am Ende auf bisher undenkbare 56 Sitze im Senat kommen könnten, abhängig von den Ergebnissen aus Mississippi und Alaska. Damit fehlen ihnen zwar noch elf Stimmen zur Mehrheit für ein Amtsenthebungsverfahren, doch trotzdem sinkt damit die Wahrscheinlichkeit, dass Trump seine Amtszeit zu Ende bringt. In der Republikanischen Partei fliegen die Schuldzuweisungen hin und her, und Floridas Gouverneur DeSantis sprach gar von einem „Massenaussterben“.
Anfang des Jahres hatten wir uns noch gefragt, ob eine Niederlage bei den Zwischenwahlen für Trump tatsächlich eine so große Rolle spielen würde, doch erste Analysen deuten darauf hin, dass ihn das Ausmaß der Wahlniederlage – die Menge der Wähler, die sich von ihm betrogen fühlen – erheblich geschwächt hat. Er scheint nun eher in der Defensive als im Angriff zu sein. Vielleicht möchte er mit voller Kraft zurückschlagen, doch unter Umständen haben wir gerade einen entscheidenden Moment seiner Präsidentschaft erlebt.
Dies könnte auf ein ruhigeres Anlageumfeld hindeuten, sobald sich die aktuellen Schwankungen im Technologie- und KI-Sektor legen. In diesem Fall dürften Renditen und Spreads eher sinken als steigen, wenn Anleger die auf Basis der aktuellen Bewertungen angebotenen Chancen nutzen. Das soll nicht heißen, dass der Markt jetzt keine Herausforderungen mehr bereit hielte, aber nach einem schwierigen Jahr für Anleiheanleger könnte ein Großteil der schlechten Nachrichten nun bereits in den Kursen eingepreist sein.
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