Sinken die KI-Budgets?

Oct 16, 2026

Die Ausgaben für KI scheinen immer mehr Unternehmen ein Dorn im Auge zu sein, und manche versuchen, mit Token-Kontingenten gegenzusteuern.

Die KI-Wachstumsstory bricht damit nicht ab, doch die Zeiten des exponentiellen Wachstums dürften vorüber sein, vermutet Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

Ein Kursrückgang bei den Technologiewerten ließ diese Woche die Renditen von festverzinslichen Wertpapieren sinken, weil Anleger in Staatsanleihen einen sicheren Hafen suchten. Da viele Aktien in diesem Sektor mit extrem hohen Bewertungskennzahlen gehandelt werden, handelt es sich bei ihnen faktisch um Anlagen mit langer Laufzeit. Dass der Anstieg der Renditen langlaufender US-Treasuries den Optimismus der Aktienanleger nicht stärker gedämpft haben, ist schon überraschend.

Aktienanleger haben sich viel stärker auf die Dynamik des Gewinnwachstums konzentriert und sich als beeindruckend widerstandsfähig erwiesen. Der jüngste Rückschlag bei OpenAI allerdings legt nahe, dass der Aufwärtstrend allmählich etwas abflachen könnte. Sollte sich dies in den kommenden Wochen bestätigen, könnte eine deutlichere Trendwende an den Aktienmärkten eingeläutet werden. Diese Möglichkeit erhöht die Attraktivität der wichtigsten Zinsmärkte.

Im Markt ist zu hören, dass Unternehmen ihre KI-Ausgaben nach exponentiellem Wachstum zu Beginn dieses Jahres nun drosseln, was nicht zuletzt dem Druck höherer Zinsen geschuldet sein dürfte. Vielerorts bedeutet das, die Ausgaben für Token nach einer anfänglichen Wildwest-Phase nun zu rationieren. Das KI-Wachstum und der Aufbau der Infrastruktur werden sich damit nicht gleich verlangsamen oder zum Stillstand kommen, doch exponentielles Wachstum könnte damit der Vergangenheit angehören. Dies könnte wiederum auf einen bescheideneren (aber immer noch sehr soliden) Wachstumsausblick für die US-Wirtschaft 2027 hindeuten.

An den Rentenmärkten reagierten die Renditen von US-Staatsanleihen diese Woche gelassen auf die etwas höheren US-Inflationsdaten. Spekulationen über zwei aufeinanderfolgende Fed-Zinserhöhungen sind die Anleger nicht gefolgt. Unsere eigenen Treffen mit politischen Entscheidungsträgern in Washington in der vergangenen Woche haben unsere Einschätzung bestärkt, dass der nächste US-Zinsschritt nicht vor Dezember erfolgen wird. Der Fed zufolge geben die jüngsten Inflationsdaten keinen Anlass zur Panik.

Der Verbraucherpreisindex liegt mit Werten im mittleren 3er-Bereich immer noch weit unter dem Niveau von 2022 – damals stieg er auf mehr als 8 %. Letztendlich wird jedoch der Inflationsverlauf den Kurs der Zinsen bestimmen. Die Inflation liegt in den USA weiterhin über der Zielmarke, und die politischen Entscheidungsträger sind eindeutig bestrebt, die Rate der Preissteigerung im kommenden Jahr wieder näher an das 2-Prozent-Ziel heranzuführen.

Ein Unsicherheitsfaktor bleiben die Energiepreise. Nichts, was wir von der US-Regierung hören, lässt auf einen Plan schließen, wie der Konflikt im Nahen Osten beendet werden könnte. Damit dürften die Ölpreise auf dem aktuellen Niveau bleiben. Eine weitere Eskalation in der Region könnte die Energiepreise deutlich in die Höhe treiben, während die Chancen auf eine Einigung und eine nachhaltigere Deeskalation schmal bleiben. Die Fed hat wenig Mittel zur Verfügung, um die Energiepreise zu kontrollieren, doch sie muss möglicherweise auf sie reagieren.

Der Preisdruck geht somit in erster Linie vom Energiesektor aus. Zwar treibt auch der KI-Ausbau die Preise weiter in die Höhe, doch wollte die Fed deswegen geldpolitische Maßnahmen ergreifen, könnte sie damit der übrigen US-Wirtschaft erheblichen Schaden zuzufügen. Da dürften sinkende Tech-Aktienkurse und eine leicht nachlassende KI-Begeisterung den politischen Entscheidungsträgern durchaus recht sein.

Zurück zur US-Inflation: Sie dürfte zu Beginn des neuen Jahres einen Höchststand von 4 % erreichen. Damit werden Zinsschritte im vierten Quartal 2026 und im ersten Quartal 2027 wahrscheinlich. Danach rechnen wir mit dem Einsetzen von Basiseffekten und einem sinkenden Verbraucherpreisindex. Die Fed dürfte die Zinsen in der Folge unverändert lassen. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Märkte für das kommende Jahr zu viele Zinserhöhungen eingepreist haben, und bleiben am vorderen Ende der Zinskurve optimistisch.

Gleichzeitig sind wir bei Anleihen mit längeren Laufzeiten vorsichtiger geworden. Wir sind der Ansicht, dass das rasante Wachstum der Staats- und Unternehmensverschuldung, das wir derzeit in den USA und weltweit beobachten, zu höheren Laufzeitprämien führen könnte. Angesichts der relativ flachen Zinskurven auf beiden Seiten des Atlantiks bedeutet dies, dass wir für die Zukunft eher von einer steileren Zinskurve ausgehen.

In Großbritannien warten wir auf den bevorstehenden Haushaltsplan. Die Conservatives konnten in den letzten Tagen in den Meinungsumfragen zulegen. Dieser Aufschwung könnte Burnhams Möglichkeiten einschränken, im nächsten Jahr vorgezogene Neuwahlen anzusetzen – er könnte deshalb in den kommenden Wochen eine politische Agenda vorlegen, die wenig Neues zu bieten hat.

Ansonsten hat die Trendwende bei US-Aktien die jüngste Aufwärtsdynamik des US-Dollars gebremst. Wir haben vorerst keine klare Einschätzung zu den wichtigsten Währungspaaren, würden in Europa jedoch den ungarischen Forint hervorheben, wo die Hoffnungen auf einen mittelfristigen Beitritt zum Euro weiter zunehmen.

Ausblick

Für die zweite Oktoberhälfte stehen wenige Termine im Kalender, und der Fokus wird sich wieder auf die Zentralbanken verlagern. Wir bezweifeln jedoch, dass eine der großen Zentralbanken bei ihrer nächsten Sitzung die Zinsen anheben wird, was zu einem stabileren Umfeld für die Zinsen führen könnte.

Ansonsten hat die Woche gezeigt, wie sich die Entwicklung rund um den KI-Boom auf alle Märkte auswirken kann. Eine gesunde Portion Realismus ist nach einer Phase berauschter Euphorie vielleicht gar nicht so schlecht.

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