Geht ein angespanntes Jahr entspannt zu Ende?

Sep 26, 2025

Kurz vor dem Start des vierten Quartals bleibt es ungewöhnlich ruhig: Der US-Präsident spricht vor einer auffällig stillen UN-Vollversammlung. Er verkündet Visagebühren für Fachkräfte, was den heimischen Arbeitslosenzahlen zugutekommen soll und ihm nebenbei einen Seitenhieb auf Indien ermöglicht. In Großbritannien schließlich zwingt ein Statistikbüro zu Nachbesserungen am Haushalt, beobachtet Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

Im Zuge solider Wirtschaftsdaten sind die Renditen von US-Anleihen in den letzten Tagen gestiegen. Das BIP für das zweite Quartal wurde aufgrund des stabilen Konsums auf 3,8 % nach oben korrigiert. Das BIP für das erste Quartal war mit -0,6 % noch sehr schwach gewesen. Deshalb blieb das Wachstum in der ersten Jahreshälfte etwas unter dem Trend. Ein Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe trug dazu bei, die Befürchtungen zu zerstreuen, dass sich der Arbeitsmarkt weiter abkühlt.

Dennoch glauben wir, dass die US-Arbeitsmarktdaten, die in der nächsten Woche veröffentlicht werden, entscheidend für den geldpolitischen Kurs sein werden. Wenn es tatsächlich zu dem geschätzten Beschäftigungszuwachs von rund 50.000 Arbeitsplätzen kommen wird, wären die Märkte weiterhin im Unklaren darüber, ob Jerome Powell bis zum Jahresende eine oder zwei Zinssenkungen um 25 Basispunkte ankündigen wird.

Wir machen uns derzeit über einen stärkeren Abschwung auf dem Arbeitsmarkt keine allzu großen Sorgen. Da weniger Menschen ins Land einwandern, wächst die US-Erwerbsbevölkerung weniger stark. Bei rund 70.000 Arbeitsplätzen wird die Arbeitslosenquote somit weitgehend stabil bleiben.

Wir erwarten außerdem, dass Zins- und Steuersenkungen sowie Deregulierung die US-Wirtschaft 2026 unterstützen werden. Eine interessante Beobachtung ist, dass manche Arbeitsplätze im Tech-Sektor bereits durch KI ersetzt werden. Trotz spektakulären Gewinnwachstums ist die Beschäftigung bei den Mag7-Unternehmen in den letzten zwölf Monaten zurückgegangen.

Das könnte ein neuer Trend sein, den es zu beobachten gilt. Die Entscheidung der US-Regierung, die Visa-Gebühren für Fachkräfte zu erhöhen, hat aus dieser Perspektive zwei Vorteile. Bisher wurden die Visa häufig dazu genutzt, Tech-Spezialisten aus dem Ausland – und zwar zu einem großen Teil aus Indien – zu holen. Zukünftig verbessern sich zum einen die Job-Aussichten für entsprechende inländische Arbeitskräfte, zum anderen gelingt Trump damit ein Seitenhieb gegen die indische Regierung.

In Großbritannien hat das parteiunabhängige Office for Budget Responsibility (OBR) seine Einschätzung aktualisiert. Beobachter rechnen damit, dass sich dadurch ein 30 Milliarden Pfund schweres Loch in den Staatsfinanzen auftun wird, das nun durch eine Reihe kleinerer Steuererhöhungen gestopft werden soll. In vielerlei Hinsicht erscheint es absurd, dass die unterjährige Haushaltspolitik so stark von den langfristigen Einschätzungen einiger weniger Statistiker bestimmt wird. Das dürfte kaum das Ziel gewesen sein, als das OBR gegründet wurde.

Tatsächlich fragt man sich zunehmend, wie nützlich das OBR überhaupt noch ist. Schließlich bieten die Renditen langfristiger Staatsanleihen, Swap-Spreads und der Markt für Credit Default Swaps bereits ausreichend Hinweise auf die Tragfähigkeit der Verschuldung – selbst wenn die britische Regierung derzeit gewissermaßen eine Geisel der globalen Renditeentwicklung ist. Sollten diese sinken, würde dies den Druck auf Keir Starmer und seine Finanzministerin Rachel Reeves verringern. Umgekehrt würden sich die Probleme Großbritanniens weiter verschärfen, sollten die langfristigen Renditen steigen.

Falls Starmer abgesetzt wird und Labour einen Linksruck vollzieht, könnte sich die Lage sogar noch verschlimmern. Einen Hinweis darauf gab der Favorit für die Nachfolge Starmers, der ehemalige Abgeordnete Andy Burnham, der diese Woche in einem Interview mit britischen Medien seine politische Agenda klarer umrissen hat. Der derzeitige Bürgermeister von Manchester kritisierte darin die Anleihemärkte scharf und forderte eine zusätzliche Schuldenaufnahme in Höhe von 40 Milliarden Pfund für den sozialen Wohnungsbau.

Ausblick

Wir gehen davon aus, dass der US-Supreme Court in den kommenden Tagen eine vorläufige Entscheidung treffen und Trumps Versuch, Lisa Cook zu entlassen, ablehnen wird. In der Zwischenzeit könnten mehrere Ereignisse die Märkte bewegen: die üblichen Schuldzuweisungen für den drohenden neuen US Government Shutdown, die Benennung des oder der nächsten Fed-Vorsitzenden sowie eine Reihe internationaler politischer und geopolitischer Entwicklungen.

Diese Woche startete ruhig. Im UN-Saal blieb es dieses Mal sogar auffällig still, als Trump seine Rede hielt – ein krasser Gegensatz zu den Spottrufen und dem Gelächter an gleicher Stelle vor sechs Jahren. Das letzte Quartal eines turbulenten Jahres steht unmittelbar vor der Tür, und wir bezweifeln, dass die Ruhe lange anhalten wird. Aber im Moment ist es ein guter Zeitpunkt, um kurz innezuhalten (auf andere Art als die UN-Rolltreppe) und neu zu bewerten, was vor uns liegt.

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