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Welche Richtung Trump sich in Zeiten schlechter Umfragewerte wünscht, steht außer Zweifel, doch weder die Fed noch die Märkte scheinen geneigt, sich dem Druck zu beugen, beobachtet Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Hier sein aktueller Marktkommentar:
Das US-Finanzministerium beabsichtigt, seine Käufe langfristiger Staatsanleihen deutlich zu erhöhen, und löste diese Woche mit seiner Ankündigung eine Abflachung der US-Zinskurve aus. Der ungewöhnliche Zeitpunkt schien darauf abzuzielen, den Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen mit langen Laufzeiten einzudämmen, nachdem diese zu Beginn der Woche ein neues 20-Jahres-Hoch erreicht hatten.
Finanzminister Scott Bessent hat stets argumentiert, dass die langfristigen Kreditkosten unter seiner Ägide deutlich sinken werden und dass dies dem US-Immobilienmarkt helfen wird, indem es die Erschwinglichkeit von Hypotheken verbessert. Der aktuell gegenläufige Trend scheint ihn zu frustrieren. Gut kann man sich vorzustellen, wie sein Chef ihm ins Ohr schreit, er solle „etwas unternehmen“ – Trumps Zustimmungswerte liegen ohnehin gerade auf Rekordtief.
Die Maßnahme, längerfristige Anleihen zurückzukaufen und die Aktion durch kurzfristige Verbindlichkeiten zu finanzieren, ist in etwa mit einer quantitativen Lockerung durch die Zentralbank vergleichbar. Doch im Vergleich zu früheren QE-Programmen der Federal Reserve ist der Umfang in diesem Fall verschwindend gering. Die Initiative hat eher Signalcharakter.
Bessents Vorgehen dürfte Fed-Chair Kevin Warsh in eine Zwickmühle bringen. Das Protokoll der Fed-Sitzung dieser Woche machte deutlich, dass eine beträchtliche Anzahl der Teilnehmer der Ansicht war, die Zinsen sollten in den kommenden Monaten angehoben werden. Angesichts einer leichten Abschwächung der Konjunkturdaten seit der Juli-Sitzung dürfte es allerdings schwierig werden, im September eine Zinserhöhung durchzusetzen – es sei denn, die Daten zum Arbeitsmarkt und Verbraucherpreisindex für August überraschen positiv. Dies spiegelt sich auch in den Zinsfutures-Märkten wider, die eine solche Maßnahme zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 30 % einpreisen.
Während die Diskussion sich um eine restriktivere Geldpolitik dreht, verweisen die Rückkaufmaßnahmen des Finanzministeriums in die entgegengesetzte Richtung. Tatsächlich könnte man sich sogar fragen, ob ein anhaltender weiterer Anstieg der Renditen die Regierung dazu veranlassen würde, eine Form der Zinskurvensteuerung zu fordern, wie sie im Rahmen einer über viele Jahre hinweg von der Bank of Japan verfolgten, sehr lockeren Geldpolitik zu beobachten war.
Das Problem dabei wäre eine steigende Inflation. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass der US-Dollar an Wert verliert und der Goldpreis im Zuge der jüngsten Maßnahmen des Finanzministeriums stark angestiegen ist. Wir gehen weiterhin davon aus, dass inflationsgebundene Anleihen und Swaps vor diesem Hintergrund eine Outperformance erzielen werden, auch wenn die Kursentwicklung in diesem Bereich in den letzten Tagen sehr verhalten war. Der Markt für inflationsgebundene Wertpapiere vertraut offenbar darauf, dass Warsh ausreichend restriktiv vorgehen wird, um die Inflation und die Inflationserwartungen zu senken, während der Markt für nominale Zinssätze eine Zinserhöhung um volle 25 Basispunkte erst im Januar nächsten Jahres einpreist.
Die Schlussfolgerung scheint hier zu sein, dass der Markt davon überzeugt ist, dass die Inflation relativ moderat bleiben wird. Wir halten diese Einschätzung jedoch für zu selbstgefällig – insbesondere angesichts des ungelösten Konflikts im Nahen Osten und der Preise für Raffinerieprodukte, die wieder nahe ihren Höchstständen aus dem zweiten Quartal liegen.
Im Nahen Osten schwinden die Hoffnungen auf ein Friedensabkommen weiter, und es scheint, als würden wir noch für längere Zeit in einer Grauzone verharren, wobei die Handelsströme durch die Straße von Hormus weiterhin nur einen Bruchteil des Niveaus vor Kriegsbeginn ausmachen. Ein erneuter Konflikt irgendwann in der Zukunft scheint unvermeidlich, da die Standpunkte der jeweiligen Seiten nach wie vor weit auseinanderliegen.
Ansonsten wird die Aufmerksamkeit der Märkte weiterhin von sektoralen Schwankungen und Turbulenzen im Zusammenhang mit KI dominiert. Chiphersteller sind nach wie vor ein Treiber der Marktvolatilität. So stieg beispielsweise der Aktienkurs des koreanischen Unternehmens SK Hynix in der Woche bis zum 18.August um 30 %, um dann in den folgenden zwei Tagen um 17 % nachzugeben, bevor er in den darauffolgenden 24 Stunden wieder um 10 % zulegte.
Die starken Schwankungen bei den Bewertungen werden durch gehebelte Investments von Privatanlegern verschärft und haben einige Märkte nahezu uninvestierbar gemacht. Dennoch steht außer Frage, dass sich die KI-Trends weiter verstärken und keine Anzeichen einer Abschwächung zeigen. Hyperscaler führen weiterhin in raschem Tempo Emissionen auf den globalen Märkten durch. Diese Woche stand Australien im Rampenlicht, als Alphabet Pläne ankündigte, eine neue Emission in mehreren Tranchen im Wert von fünf Milliarden Australische Dollar auf den Markt zu bringen – das sind rund drei Milliarden Euro.
Ein bemerkenswerter Aspekt KI-bezogener Emissionen: Sie sind stark auf längere Laufzeiten ausgerichtet. Über 40 % der bisherigen Emissionen in diesem Jahr entfielen auf Anleihen mit einer Restlaufzeit von mehr als 20 Jahren. Dies stellte eine beträchtliche Menge an langfristiger Duration dar, die es zu absorbieren gilt.
Spannend wird die EU-Volksabstimmung in Island am 29. August. Das „Ja“-Lager liegt in Umfragen knapp vorn, und das Ergebnis könnte das Interesse an isländischen Anleihen und an der isländischen Krone wecken – insbesondere angesichts der aktuellen Leitzinsen von 8 % und der starken Nettoreserveposition des Landes. Für einen endgültigen EU-Beitritt wäre ein weiteres Referendum erforderlich, doch es scheint klar zu sein, dass die übrigen EU-Mitgliedstaaten Island mit offenen Armen empfangen würden, sofern die isländischen Bürger überzeugt werden können.
In Island haben Trumps Einmischungen in Grönland dazu beigetragen, die Meinung zu prägen und eine stärker pro-europäische Identität zu fördern. Weltweit haben Menschen in unsicheren und instabilen Zeiten Angst vor der Zukunft, und Ängste vor einer dystopischen KI-Zukunft verstärken das Gefühl der Unruhe zusätzlich. Der Trend unter Superreichen, private Inseln zu kaufen und riesige unterirdische Bunker zu bauen, ist alles andere als beruhigend. Interessant ist es auch, diese risikoscheue Stimmung den Bewertungen an den Finanzmärkten gegenüberzustellen, die offenbar viel stärker dem utopischen Ideal verhaftet sind, das eine Reihe von Tech-CEOs öffentlich vertreten wollen. Es ist verständlich, dass Visionäre Träume von einer Zukunft voller grenzenloser Möglichkeiten verkaufen wollen – zumal in unserem Zeitalter des Überflusses. Dennoch sollten wir diese Verkaufsargumente mit Skepsis betrachten.
Ebenso ist es verständlich, dass Bessent und Trump eine Perspektive von starkem US-Wirtschaftswachstum, niedriger Inflation, niedrigen Renditen und geringen Defiziten in den kommenden Jahren verkaufen wollen, dazu die Idee eines vollständigen Sieges über Iran und einer strahlenden neuen Zukunft im Nahen Osten. Wähler scheinen solchen Werbeslogans zunehmend müde und zynisch zu begegnen. Es wird spannend sein zu sehen, wie es weitergeht, wenn die Märkte nicht so reagieren, wie die Regierung es sich wünscht.
Das Risiko eines politischen Fehlers könnte bei einem solchen Ausgang erheblich steigen, und wie wir im Nahen Osten erfahren mussten, bergen schlecht umgesetzte Pläne die Gefahr, eine unvorteilhafte Situation noch deutlich zu verschlimmern. Zum Ende des Sommers könnte damit die Volatilität wieder zunehmen…
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