Schwellenländeraktien: Worauf es in einem ungewissen Marktumfeld ankommt

Jun 17, 2025

In den vergangenen Wochen haben vor allem Zölle die Schlagzeilen dominiert, für die Aktienmärkte der Schwellenländer (EM) sind jedoch andere Faktoren ausschlaggebend: Fundamentaldaten und Handelsüberschüsse mit den USA im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Richard Farrell, EM Equity Portfolio Manager, blickt auf die wichtigsten Märkte und Regionen.

Auf einen Blick

  • Fundamental sind die Schwellenländer heute viel robuster als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren.
  • Leistungsbilanzen und Haushalte der Schwellenländer sind im Vergleich zu den USA robust.
  • Die Schwellenländer handeln zunehmend untereinander, ihre Abhängigkeit vom US-Handel ist begrenzt.
  • Für Zölle und Handelsbeschränkungen sind viele Schwellenländer relativ gut gewappnet.

 

Entkopplung des Handels

Insgesamt sind die Schwellenländer heute sehr viel weniger abhängig vom Handel mit den USA und anderen Industrieländern als noch vor wenigen Jahren, schließlich gehen 45% der EM-Exporte inzwischen in andere Schwellenländer.1 Auf die EM-Aktienmärkte dürfte sich die wachsende Unabhängigkeit (insbesondere exportorientierter Länder) vom Konsum der Industrieländer langfristig positiv auswirken.

Innerhalb des Schwellenländeruniversums ist das Bild jedoch nuancierter: Betrachtet man die Exporte im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, so sind Taiwan und Südkorea besonders auf den Handel mit den USA angewiesen, binnenmarktorientiertere Länder wie China, die Philippinen und Indonesien dagegen weniger.

China: Tech-Sektor als Wachstumsmotor

China verdankt seine rekordhohen Handelsüberschüsse der Tatsache, dass es in vielen modernen Technologien inzwischen Weltspitze ist. Vor allem Elektrofahrzeuge, erneuerbare Energien und hochwertige Unterhaltungselektronik tragen zu der positiven Handelsbilanz bei.

Dass China anderen Industrie- und Schwellenländern zuletzt enteilt ist, liegt jedoch vor allem am Technologiesektor – und daran, dass das Land weit weniger exportabhängig ist, als viele Investoren denken. Exporte machen inzwischen 15% der Wirtschaftsleistung aus, der Anteil der Ausfuhren in die USA ist auf 2,5% zurückgegangen.2 New-Economy-Aktien haben sich im vergangenen Jahr nach einer Schwächephase wieder erholt. Im ersten Quartal dieses Jahres hat sich der Markt relativ wenig bewegt, zur Rendite haben vor allem große Technologiewerte wie Alibaba und Tencent beigetragen und dabei von der Wirkung des Start-ups DeepSeek profitiert, das Chinas aufstrebende KI-Industrie in den Fokus gerückt hat.

Längerfristig dürfte China von diesen neuen Technologien profitieren. Aktuelle Daten zeigen, dass China mehr MINT-Absolventen hervorbringt als andere Länder und MINT-Fächer in China größere Bedeutung haben.

Indien: Erholung in Sicht

Die Reformen der Regierung Modi der letzten zehn Jahre haben das Land auf einen langfristigen strukturellen Wachstumskurs gebracht, insbesondere in der industriellen Infrastruktur. Wir sehen daher Potenzial am indischen Aktienmarkt.

Eine zyklische Konjunkturabkühlung hat die Marktrallye zu Beginn des Jahres zum Stillstand gebracht, inzwischen erholt sich die Wirtschaft jedoch wieder, die Investitionen im privaten Sektor steigen. Und Investitionen kurbeln meist auch den Verbrauch an – wovon wiederum bestimmte Unternehmen profitieren sollten.

Indische Aktien sind nach wie vor teuer bewertet, weshalb sorgfältige Auswahl wichtig ist. In bestimmten Bereichen, zum Beispiel im Finanzsektor, finden Investoren jedoch langfristiges Wachstumspotenzial zu relativ günstigen Bewertungen.

Chancen sehen wir vor allem im Erlebniskonsum, weshalb wir unser Exposure in diesem Segment bei günstigen Bewertungen ausbauen werden.

Lateinamerika: Anzeichen für einen strukturellen Wandel

Lateinamerika ist seit vielen Jahren politisch und wirtschaftlich instabil, Argentinien hat sich jedoch in den letzten zwölf bis achtzehn Monaten unter dem neuen Präsidenten Milei gut entwickelt. Milei hat die argentinische Wirtschaft grundlegend reformiert, zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt weist das Land einen Haushaltsüberschuss aus. Der argentinische Aktienmarkt konnte deutlich zulegen, zuletzt war auch der argentinische Peso zum ersten Mal seit vielen Jahren frei handelbar.

Investoren erhoffen sich von den Reformen positive Impulse für andere lateinamerikanische Länder, zum Beispiel Brasilien, wo die Zustimmungswerte für den amtierenden Präsidenten Lula in den letzten Monaten gesunken sind. In den Wahlen im kommenden Jahr könnte ein Präsident an die Macht kommen, der sich mehr für den freien Markt und die Wirtschaft einsetzt und die strukturellen Probleme des Landes angeht.

Mexiko profitiert derweil von dem Freihandelsabkommen USMCA, denn die mexikanischen Exporte in die USA sind von den jüngsten Zollankündigungen nicht betroffen. US-Unternehmen verlagern zunehmend ihre Produktion aus China. Als Nachbarland könnte Mexiko von dieser Entwicklung profitieren, indem es in seine Infrastruktur investiert, Rechtsstaatlichkeit fördert und ein unternehmensfreundlicheres Klima schafft. Die Arbeitskosten des Landes sind im Vergleich zu Ländern wie Vietnam, China und insbesondere den USA sehr niedrig.

In ganz Lateinamerika sind die Aktienbewertungen nach wie vor attraktiv. Die Realzinsen sind weiterhin hoch, ein Rückgang der Inflation und sinkende Kosten durch Deregulierung wie in Argentinien könnten den Spielraum der Zentralbanken für Zinssenkungen jedoch vergrößern. Dies könnte wiederum das Kreditwachstum und Infrastrukturinvestitionen beschleunigen, was langfristig zu höherer Produktivität und höherem strukturellem Wachstum führen dürfte.

Auch ein schwächerer US-Dollar spielt den Schwellenländern, insbesondere jedoch Lateinamerika, in die Hände.


1 From emerging to surging: intra-EM trade and investment amid new globalisation.
2 General Administration of Custom People's Republic of China.

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