Malin Rosengren über den Dollarblock....und andere Märkte

Sep 18, 2025

Malin Rosengren, Investment Grade Portfolio Manager, zeigt drei interessante Entwicklungen an den globalen Staatsanleihemärkten auf.

1. Stabilitätsanker in einem Meer steigender Schulden

Die Frage der Schuldentragfähigkeit und des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage an den Kapitalmärkten rückt zunehmend in den Fokus, vor ernsthaften Problemen stehen unter anderem Frankreich, die USA, Großbritannien und Japan. Der weltweite Anstieg der Staatsverschuldung ist an sich nichts Neues, und dennoch läuten bei Anleiheinvestoren die Alarmglocken, zumal der Einfluss der Haushaltsdefizite auf die Marktentwicklung übermächtig zu werden droht.

Was ist dieses Mal anders?

  • In den Industrieländern ist die Inflation nach wie vor hoch – woran sich aufgrund der Abkehr von Freihandel, Globalisierung und offener Einwanderungspolitik auch nichts ändern dürfte. Das bedeutet auch: Eindämmen lässt sich die Teuerungsrate wahrscheinlich nur durch höhere Gleichgewichtszinsen.
  • Die prozyklische Wirkung steigender Haushaltsdefizite und der weitverbreitete Mangel an finanzpolitischer Disziplin in einer Zeit, in der höhere Zinszahlungen die öffentlichen Haushalte aufzehren. Die Schuldenakkumulation, die früher günstig war, wird in einem Umfeld höherer Zinsen teuer. Die demografische Entwicklung dürfte den Druck auf die Staatsausgaben zusätzlich erhöhen und die Verschuldung beschleunigen. Die Folge: Das Angebot an Anleihen steigt, während die Nachfrage sinkt, denn im Ruhestand ziehen Sparer Geld aus ihren Pensionsfonds ab.
  • All dies geschieht weltweit – und alles zur gleichen Zeit.

Im Fokus: Japan

Vor allem dank extrem niedriger Zinsen und robuster Binnennachfrage hat Japan die Alterung seiner Bevölkerung und den Anstieg der Staatsschulden in den Griff bekommen. Geholfen hat außerdem die massive quantitative Lockerung (QE) der Bank of Japan – die zu Spitzenzeiten mehr als 50% des japanischen Staatsanleihemarktes in ihren Büchern stehen hatte. Was hat sich verändert? Die Zinssätze liegen nicht länger auf historischen Tiefständen, die Inflation ist in allen Industrieländern nach wie vor hoch und jede Ausweitung der QE-Programme würde zu einer Währungsabwertung führen und damit den Inflationsdruck zusätzlich erhöhen.

  • Die Fed hält aktuell etwa ein Viertel des US-Staatsanleihemarktes. Sollte sie versuchen, ihr Kaufprogramm auszudehnen, wäre eine Dollar-Abwertung wohl unvermeidlich.
  • In Japan waren die Pensionsfonds in der Vergangenheit groß genug, um die Nachfrage zustützen; allerdings können nicht alle Industrieländer auf diesen Nachfrageanker zählen – und auch in Japan lässt die Binnennachfrage inzwischen nach.


Fazit für Investoren  

Im Handel mit globalen Staatsanleihen wird die Kreditqualität zu einem immer wichtigeren Entscheidungskriterium – insbesondere am langen Ende der Kurve. Investoren sollten Emittenten mit geringerer Nettoverschuldung, Haushaltsdisziplin und gut finanzierten Rentensystemen vorziehen. Australische Anleihen sind gemessen an diesen Kriterien besonders attraktiv und überzeugen uns mit ihrem AAA-Rating und einer Rendite von rund 5%.

Fiskalbericht des IWF – Nettoverschuldung in % des BIP

IMF fiscal monitor – net debt % of GDP

Quelle: IWF; Stand: April 2025.

2. Was den australischen Dollar so stark macht

Im Inland hat die australische Zentralbank (RBA) wohl nur wenig Spielraum für eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik:

  • Die 12-Monats-Gesamtinflation ist im Juli um 0,9 Prozentpunkte auf 2,8% gestiegen, der Preisdruck könnte also stärker sein als von der Zentralbank erwartet. Zwar war ein Anstieg aufgrund von Strompreisnachlässen erwartet worden, jedoch nicht in diesem Umfang und Ausmaß.
  • Die Preise für Wohnimmobilien steigen wieder, der australische Transmissionsmechanismus der Geldpolitik gehört damit dank der von australischen Immobilienkäufern bevorzugten variablen Zinsen zu den schnellsten der Welt. Und dank des in Australien besonders ausgeprägten Vermögenseffekts fördern steigende Immobilienpreise auch den privaten Konsum.
  • Das reale BIP-Wachstum im 2. Quartal war mit 1,8% solide;1 die Ausgaben der privaten Haushalte steigen, das private Vermögen wächst, der Arbeitsmarkt ist angespannt.
  • Die Finanzkonditionen sind womöglich weniger restriktiv als von der RBA erwartet: Im Juli betrug das Kreditwachstum 0,7% gegenüber dem Vormonat bzw. 7,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, was darauf hindeutet, dass die Wirtschaft wieder anspringt.

Fazit für Investoren

  • Wir erwarten inzwischen eine deutlichere Abwertung des US-Dollars, wovon der australische Dollar profitieren sollte. Die Fundamentaldaten sind gut: Wachstum und Zinsdifferenz (sofern die Fed die Zinsen senkt und die RBA sich zurückhält) sprechen ebenso für Australien wie die hohen Eisenerzpreise, außerdem besteht zumindest eine geringe Chance, dass die australischen „Superannuation Funds“ ihre Hedge-Quoten anheben.
Arbeitslosenquoten im Dollarblock

Unemployment rate across the dollar bloc chart

Quelle: Bloomberg; Daten für den Zeitraum vom 18. September 2015 bis zum 31. August 2025.

3. Kanada – unerwartet deutliche Konjunkturflaute, weitere Zinssenkungen absehbar

  • Der kanadische Arbeitsmarkt hat sich im August weiter abgekühlt: Die Nettoveränderung der Beschäftigungsdaten deutet auf einen weiteren Monat mit deutlichen Arbeitsplatzverlusten im Umfang von 65.500 hin (Juli: -40.800), die Arbeitslosenquote ist erneut auf jetzt 7,1% gestiegen.2
  • Das Ausmaß der kanadischen Konjunkturflaute überrascht ein wenig, zumal der effektive Zollsatz für kanadische Exporte in die USA nach wie vor deutlich unter den Zollsätzen anderer Handelspartner liegt, was den kanadischen Außenhandel eigentlich begünstigen sollte.
  • Arbeitsmarktdaten waren im aktuellen Lockerungszyklus bisher ein wichtiger Entscheidungsfaktor, die kanadische Zentralbank (BoC) wird daher auf Signale einer Abkühlung am Arbeitsmarkt achten. Auf der letzten Pressekonferenz der BoC im August wiederholte Gouverneur Macklem, dass die Bank ein mögliches Übergreifen der Exportschwäche auf Beschäftigung, Unternehmensinvestitionen und private Ausgaben im Blick haben wird. Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen geben der BoC also einen guten Grund für eine weitere Zinssenkung.
  • Der Inflationsdruck schränkt den Handlungsspielraum der Bank jedoch ein. Zwar ist die Gesamtinflation relativ stabil geblieben, die Kerninflation ist jedoch wieder angesprungen und liegt jetzt am oberen Ende des Zielbands der BoC.

Ausblick

  • Es ist unwahrscheinlich, dass die BoC die Zinsen nach einer Pause wieder senkt und sich dabei auf eine einzige Zinssenkung beschränkt; wahrscheinlicher sind, wenn überhaupt, mehrere Zinsschritte. Dadurch dürfte sich die Zinskurve weiter und über das in den Terminkursen eingepreiste Niveau versteilern.
  • Zudem bestehen Risiken im Zusammenhang mit der Neuverhandlung des USMCA-Abkommens, deren Ausgang maßgeblich darüber entscheiden wird, ob das Land den Sturm übersteht. Eigentlich steht die Erneuerung des USMCA erst im Juli 2026 an. Es ist jedoch bereits jetzt erkennbar, dass die USA innerhalb des nächsten Monats erste Schritte zur Neuverhandlung einleiten wollen (über öffentliche Konsultationen). Von diesem Abkommen hängt viel ab.
  • Eine Konjunkturabkühlung in den USA könnte die kanadische Wirtschaft zusätzlich belasten.
  • Der kanadische Staatshaushalt im Oktober könnte die Wirtschaft stützen und die Geldpolitik etwas entlasten.


1. Australian National Accounts: National Income, Expenditure and Product, Juni 2025 | Australian Bureau of Statistics
2. Statistics Canada, 2025.

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