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Außer Spesen nichts gewesen? Nach viel verbaler Aufrüstung und neuen Zollandrohungen will Trump jetzt doch eine einvernehmliche Lösung in der Grönlandfrage finden. Wer jetzt entspannt aufatmet, übersieht, welche Spuren die letzten Tage in der Weltpolitik hinterlassen haben: Von der transatlantischen Partnerschaft bis hin zu russischen und chinesischen Großmachtambitionen sind die langfristigen Folgen noch kaum absehbar, analysiert Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Hier sein aktueller Marktkommentar:
Die globalen Märkte erholten sich von den Verlusten zu Wochenbeginn, ausgelöst durch Trumps Androhung von Grönlandstrafzöllen in Höhe von 10 %.
Aus US-Sicht ist man versucht, den Grönlandplan als Prestigeprojekt des Präsidenten einzuordnen, kam die Idee doch schon in Trumps erster Amtszeit auf. Im Rahmen der NATO-Mitgliedschaft existieren sowieso kaum Hindernisse für die USA, ihre militärische Präsenz auf der Insel zu verstärken. Und die Diskussion über Seltene Erden übersieht, dass diese Rohstoffe an vielen Standorten leichter gewonnen werden können, beispielsweise in den USA selbst, oder in Australien.
Aus europäischer Sicht löst der offene Angriff auf die territoriale Integrität Europas starke Emotionen aus, die wenig Raum für Verhandlungen lassen. Die EU drohte, sich aus der Ratifizierung des US-Handelsabkommens vom letzten Jahr zurückzuziehen und ihre Handels-Bazooka einzusetzen, um zusätzliche Zölle gegen die USA zu verhängen. Das würde einen erheblichen Teil des globalen Handels dem Risiko eines offenen Handelskrieges aussetzen.
Letztendlich scheint es, dass Trump sich in Davos der Vernunft gebeugt hat, auch wenn die transatlantischen Beziehungen zweifellos Schaden genommen haben. Aus europäischer Sicht erscheinen die USA als höchst unzuverlässiger Freund und Partner. Während Russland von der Seitenlinie aus zusieht, könnten die Ereignisse der vergangenen Woche erhebliche langfristige geopolitische Folgen haben.
Falls die USA versuchen sollten, eine Landnahme im Nordatlantik zu legitimieren, so verleihen sie damit auch Putins Haltung im Donbass und Pekings Ambitionen auf Taiwan Legitimität. Dennoch scheinen die Finanzmärkte derzeit kurzfristig erleichtert zu sein, und die Risiken scheinen eingedämmt. Die wirtschaftlichen Aussichten haben sich nicht wesentlich verändert, und die Renditen können ihre Seitwärtsbewegung innerhalb der jüngsten Handelsspannen fortsetzen.
Allerdings verstärken die Ereignisse dieser Woche das Gefühl der Dringlichkeit, die Verteidigungsausgaben in Europa zu steigern, mit möglichen Aufwärtsrisiken für die Defizite und Aufwärtsdruck auf die längerfristigen Renditen.
Die jüngsten Entwicklungen mahnen auch zur Vorsicht gegenüber einer Unbekümmertheit an den Finanzmärkten, die in letzter Zeit die steigenden geopolitischen Risiken auszublenden scheinen. Wir haben weiterhin keine starke Meinung, in welche Richtung US-Renditen tendieren.
Am Devisenmarkt kam es in dieser Woche erneut zu Spekulationen über einen Sell-the-US-Trade, ähnlich wie im April letzten Jahres. Durch die Entspannung der Lage konnte der Dollar seine vorherigen Verluste wieder wettmachen. Darüber hinaus bezweifeln wir, dass viele europäische Anleger und Anlegerinnen bereit oder in der Lage sind, ihre US-Vermögenswerte zu verkaufen, solange die US-Wirtschaft deutlich dynamischer ist als die europäische.
Ohne die jüngsten Maßnahmen von Trump stünde der Dollar gegenüber dem Euro wahrscheinlich stärker als derzeit. Dennoch erscheint es unklug, auf den Dollar zu setzen und auf eine Erholung zu hoffen, im Vertrauen darauf, dass der US-Präsident das Vertrauen in den Greenback nicht mit neuen Aktionen untergraben werde.
Ansonsten bleibt ein Dollar-Yen-Wechselkurs von 160 ein potenzieller Auslöser für Interventionen in Japan. Wir fragen uns, ob Japan, Korea und die USA ihre Kräfte bald bündeln könnten, um Won und Yen gegenüber der US-Währung zu stärken.
Im Gegensatz zu anderen Märkten zeigten sich die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen von der makroökonomischen Volatilität dieser Woche weitgehend unbeeindruckt. Ein Handelskrieg, der Ängste vor einer globalen Rezession schüren könnte, könnte die Rahmenbedingungen an den Anleihemärkten allerdings grundlegend verändern.
Es wirkt allerdings so, als ob niemand ernsthaft mit diesem Ausgang gerechnet hat. Vielmehr ging man davon aus, dass ein Kompromiss gefunden würde, bevor es zu einem solchen Szenario kommen würde. Schnell wurden TACO-Rufe laut (Trumps Always Chickens Out), doch die Märkte Trump halten nicht unbedingt für einen Feigling. Eher sind sie inzwischen abgestumpft gegen Trumps Idee, über das Druckmittel von Zoll-Tweets als Dealmaker glänzen zu wollen, anstatt konkrete politische Maßnahmen zu ergreifen.
Vergangene Woche hat sich gezeigt, dass die Prognose zukünftiger Ereignisse schwierig sein kann – selbst wenn man nur eine Woche im Voraus plant! Wir haben in den letzten Tagen eine Achterbahnfahrt erlebt.
Zwar haben die Märkte fast wieder ihr Niveau vom Jahresanfang erreicht, doch das Gefühl steigender makroökonomischer Risiken verstärkt sich. Es wird deshalb immer wichtiger, bei Risikoanlagen ausreichende Spreads zu erzielen, um ihren Platz im Portfolio zu rechtfertigen. Sonst könnte das Risko-Rendite-Profil zu stark in Richtung Risiko verzerrt sein.
Für Investoren ist es weiterhin wichtig, die Kauf- und Verkaufsdisziplin bei definierten Bewertungsniveaus beizubehalten. Die vergangene Woche dient zudem als Erinnerung daran, dass sich die besten Kaufgelegenheiten ergeben können, wenn die Märkte hysterisch werden und übertreiben – zum Beispiel aktuell im Falle japanischer Staatsanleihen.
Bei anderen Risiko-Assets gab es tatsächlich noch keinen Kursrückgang, der einen Einstieg gerechtfertigt hätte. Bei manchen Anlageklassen wären noch extremere Events nötig, um die behäbige Selbstzufriedenheit der Märkte zu erschüttern. Es gruselt einen fast bei der Vorstellung, wie solche Events aussehen könnten!
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