Von London bis Tokio – Höhen und Tiefen in der Politik

Feb 13, 2026

Keir Starmer bemüht sich, den Abgang von Stabschef Morgan McSweeney zu überstehen. Die britische Politik könnte einerseits vor einem Linksruck stehen, muss andererseits aber Antworten auf die Rechtspopulisten von Reform UK finden, was sie nicht gerade berechenbarer macht. Ganz anders die Lage in Japan, wo Premierministerin Takaichi nach ihrem haushohen Sieg das Land nach ihren Vorstellungen steuern kann. Wirtschaftswachstum und Steuersenkungen stehen dabei weit oben auf der Agenda, beobachtet Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

Die Unterstützung für Keir Starmer wird schwächer – jüngster Auslöser dafür war der Rücktritt von Stabschef Morgan McSweeney am vergangenen Wochenende. McSweeney hatte eine entscheidende Rolle gespielt bei der Ernennung des inzwischen in Ungnade gefallenen Peter Mandelson zum US-Botschafter.

Obwohl das Labour-Kabinett zu Beginn dieser Woche seine Unterstützung bekundete, könnte eine mögliche Niederlage bei den Nachwahlen in Gorton und Denton Ende dieses Monats ein entscheidender Katalysator sein. Überlebt Starmer dieses Datum, so wird jedenfalls für die Kommunalwahlen im Mai mit einer Labour-Niederlage gerechnet.

Für die nächsten Wochen ist wohl mit weiteren Informationen über Mandelsons Kommunikation mit Mitgliedern der britischen Regierung zu rechnen – die Position des Premierministers könnte schnell unhaltbar werden. Andeutungen aus dem Weißen Haus weisen darauf hin, dass Washington Bedenken hinsichtlich Mandelson als Sicherheitsrisiko geäußert habe. Spekulationen, dass er dann geheimes Material weitergegeben hat, haben Sprengkraft.

Es wird auch vermutet, dass Wes Streeting und andere Personen aus Mandelsons Umfeld durch diese schmutzige Affäre ebenfalls geschwächt werden könnten. Dies könnte einem Kandidaten aus dem linken Flügel der Labour-Partei, möglicherweise Ed Miliband oder Angela Rayner, Tür und Tor öffnen. Ein Schwenk nach links wiederum könnte erhebliche Auswirkungen auf die britischen Finanzmärkte haben. Die Erwartung einer lockeren Haushaltsdisziplin und eines Desinteresses an den Finanzmärkten könnte die Risikoprämien für britische Staatsanleihen und das Pfund zusätzlich belasten. Dieses Szenario könnte wiederum die Bank of England zu einer weiteren Zinssenkung veranlassen. Sie würde insbesondere das Pfund treffen, während Bewegungen bei Staatsanleihen sicherlich zu einer steileren Zinsstrukturkurve führen würden, der die Regierung durch ein Zurückfahren der Emission von Schuldtiteln entgegenwirken könnte.

Die längerfristigen Folgen einer eher linksgerichteten Regierung könnten anders aussehen. So ist es beispielsweise möglich, dass Labour in Zukunft eine engere Beziehung zur EU anstrebt und sich von den USA distanziert. Momentan allerdings hat Reform UK Aufwind, und Labour muss auf die populistische Partei reagieren, um die nächsten Parlamentswahlen zu überleben.

Auch für Japan war es eine wichtige politische Woche. Sanae Takaichis haushoher Sieg verschafft ihr als Premierministerin eine starke Position, um das Land nach ihren eigenen Vorstellungen voranzubringen. In diesem Zusammenhang konzentriert sich Takaichi darauf, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und Japan zu stärken. Wir rechnen mit einer Senkung der Verbrauchssteuer im Nachtragshaushalt 2026. Wir erwarten für das laufende Jahr ein Haushaltsdefizit unter 3,5 %. Das liegt weit unter dem Niveau fast aller anderen Industrieländer.

Vor diesem Hintergrund halten wir die Hysterie hinsichtlich der Tragfähigkeit der japanischen Staatsverschuldung immer noch für übertrieben. Vielmehr erscheinen uns langlaufende japanischer Staatsanleihen attraktiv bewertet.

Zudem ist Takaichi offenbar entschlossen, die künftigen Ausgaben unter Kontrolle zu halten. Spekulationen, dass die Einnahmen aus Japans Devisenreserven genutzt werden könnten, um die Militärausgaben zu erhöhen, wirken relativ einleuchtend. Daher gehen wir auch nicht davon aus, dass Takaichi sich als populistische Premierministerin erweist und während ihrer Amtszeit die japanische Finanzpolitik nach und nach lockert.

Außerdem scheint uns Takaichi sehr an einer Stabilisierung der japanischen Anleiherenditen und des Yen-Kurses interessiert zu sein. Zwar ist es wohl nicht ihr Hauptziel, den Yen zu stärken, aber auch eine weitere Währungsschwäche wird sie wohl nicht tolerieren. Die Interventionsgrenze bei einem Dollar-Yen-Kurs von 160 dürfte bestehen bleiben.

Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Bank of Japan in diesem Jahr zwei Zinserhöhungen vornehmen wird. Auch die japanische Zinsstrukturkurve wird sich abflachen, da die Renditen kurzfristiger Anleihen als Reaktion auf die Normalisierung der Geldpolitik steigen werden. Die Renditen zehnjähriger Papiere dürften infolgedessen in etwa auf dem aktuellen Niveau bleiben. Aus unserer Sicht sollten 30-jährige japanische Staatsanleihen nicht mehr als 100 Basispunkte über 10-jährigen Anleihen gehandelt werden. Aus dieser Perspektive bleiben die Renditen von 3,5 % attraktiv, insbesondere da das US-Dollar-währungsgesicherte Äquivalent derzeit bei 6,5 % liegt.

Strukturell bleibt unsere Sicht auf den Yen positiv. Im Devisenbereich halten wir es jedoch für besser, keine Position zu halten und bei einem erneuten Test dieses Niveaus durch den Yen bei über 158 JPY/USD zuzukaufen. Für japanische Aktien ist die politische Ausgangslage günstig, und ein optimistischer Ausblick kann ebenfalls dazu beitragen, Unternehmensinvestitionen und Konsumausgaben zu stärken und damit auch die Wirtschaft zu stützen. Nach einer langen Zeit im Schatten entwickelt sich Japan zu einer anhaltend interessanten Investmentchance.

Ausblick

Obwohl wir für den Rest des Monats weiterhin recht stabile Marktbedingungen bei den Leitzinsen prognostizieren, könnte der Verbraucherpreisindex überraschen. Die Inflation könnte höher als erwartet ausfallen, während die US-Wirtschaft relativ stark bleibt.

Ein möglicher KI-Wachstumsschub ist das Thema der Stunde. Dabei herrscht große Unsicherheit: Die Einführung von KI schreitet schnell voran, doch Veränderungen in der Produktivität werden unter Umständen alles andere als reibungslos und linear verlaufen.

Deshalb befürchten wir eher, dass der KI-Investitions-Wettlauf kurzfristig ein Inflationsrisiko nach sich ziehen könnte, wenn die Betreiber mit knappen Rohstoffen, Komponenten und qualifizierten Arbeitskräften konfrontiert sind. Sollte die Inflation hingegen nicht kurzfristig anziehen, könnte als positives Zeichen dafür zu werten sein, dass die Produktivität früher und schneller als gedacht steigt – mit positiven Auswirkungen auf den Markt.

Abgesehen davon sind Großbritannien und Japan nach wie vor gute Beispiele dafür, was für ein wichtiger Markttreiber politische Unbeständigkeit sein kann. Großbritannien jedenfalls dürfte demnächst seinen siebten Premierminister in zehn Jahren erleben.

Es gab eine Zeit, in der ein solcher Führungswechsel ein Zeichen für eine politische Krise war, etwa einst in Italien. Doch heute ist Rom unter Meloni ein Vorbild für politische Stabilität, und Großbritannien scheint diese Rolle übernommen zu haben. Die sieben britischen Premierminister vor David Cameron haben in einem Zeitraum von 46 Jahren seit 1964 regiert, einer Zeit, in der die Beatles die Charts anführten. Heute hingegen beobachten wir nicht die „Swinging Sixties” in Großbritannien. Und in Japan sollten wir in den nächsten Jahren wohl eher die „Roaring Twenties” erwarten.

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