Blick auf die Aktienmärkte | Februar 2026

Feb 27, 2026

Werden KI-Disruption und politische Ungewissheit die beherrschenden Themen des Jahres?

Künstliche Intelligenz wird immer mehr Teil der realen Welt – mit Folgen für die Märkte. Jeremy Richardson blickt auf die Volatilität, die der Wandel auslöst.

Highlights

  • Auf den ersten Blick wirken die globalen Aktienmärkte stabil, doch unter der Oberfläche lösen die Politik des US-Präsidenten und ihre Folgen für Wettbewerb und Lebenshaltungskosten Turbulenzen aus.
  • Künstliche Intelligenz wird immer mehr von einem theoretischen Konzept zu einer praktischen Anwendung.
  • Noch lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, welche Branchen vor größeren Umwälzungen stehen. Investoren flüchten sich daher in Unternehmen, die sie als „KI-resistent“ betrachten.
  • Die Unternehmen selbst geben sich in ihrem Ausblick für die kommenden zwei Jahre zurückhaltend – und enttäuschen damit wachstumshungrige Investoren.

Jeremy Richardson

Hallo, ich bin Jeremy Richardson vom RBC Global Equity Team und melde mich mit einem neuen Update.

Seit Jahresbeginn haben sich die globalen Aktienmärkte eigentlich recht positiv entwickelt, zumindest wenn man sich die Indizes ansieht. Doch unter der Oberfläche kam es zu erheblichen Turbulenzen und Störungen. Alles begann mit mehreren „Executive Announcements“ von Präsident Trump, die den Wettbewerb neu ordnen und so die Lebenshaltungskosten insbesondere geringverdienender Haushalte senken sollen. Investoren versuchen daher zu erahnen, was als Nächstes auf der To-do-Liste des Präsidenten stehen könnte.

Zuletzt jedoch rückte Künstliche Intelligenz (KI) ins Rampenlicht. 2024 haben wohl viele Menschen KI als Lösung auf der Suche nach einem Problem betrachtet. Dem ist im Jahr 2026 nicht mehr so. KI-Agenten sind inzwischen sehr viel präsenter, Unternehmen entwickeln immer überzeugendere Anwendungsszenarien, bei denen es häufig um Programmierung geht. Heutzutage kann man offenbar in natürlicher Sprache programmieren und muss keine Computerprogramme mehr lernen.

Damit sinken die Markteintrittsbarrieren insbesondere für Softwareunternehmen, von denen viele einem regelrechten Absturz ihrer Marktkapitalisierung zusehen mussten, zumal Investoren zunehmend mit Sorge auf den Endwert, also den langfristigen Wert dieser Unternehmen blicken. Mich erinnert das ein wenig an das Fangenspielen auf dem Schulhof. Unternehmen und Investoren stellen sich die bange Frage, wer wohl als nächstes „dran“ ist – und reagieren entsprechend vorsichtig. Wie sich das am Markt auswirkt, kann man an sogenannten KI-empfindlichen Branchen sehen, deren Bewertungen zunehmend in Zweifel gezogen werden. Investoren setzen lieber auf Unternehmen und Geschäftsmodelle, die als einigermaßen „KI-immun“ gelten und daher eine relative Sicherheit bieten.

Hinzu kommt eine natürliche Zurückhaltung der Unternehmen bei der Kommunikation ihrer Quartalsergebnisse. Insofern kann man sich leicht vorstellen, dass die Volatilität steigen könnte. Was die Konzernlenker beschäftigt, ist die Tatsache, dass auch sie sehr viel Disruption durch den technologischen Wandel sehen – was sich natürlich auf ihren Ausblick auf dieses und die kommenden Jahre auswirkt.

Sie präsentieren den Märkten also ziemlich gute Zahlen, doch die Märkte wollen lieber wissen, was sie für 2026 und 2027 erwarten. Und weil Manager insbesondere in Phasen technologischen Wandels naturgemäß konservativ sind, geben sie sich recht zurückhaltend. Bei Investoren, die vor allem beruhigende Worte hören wollen, kommt das nicht besonders gut an.

Hoffentlich ändert sich das im weiteren Verlauf des Jahres. Es ist durchaus verständlich, dass die Management Teams die Messlatte zu Beginn des Kalenderjahres niedriger legen wollen. Doch im weiteren Verlauf des Jahres wird der Ausblick klarer, wir werden mehr abgeschlossene Transaktionen sehen, Zahlen werden allmählich verlässlicher. Wir hoffen, dass die Manager so eine viel robustere Botschaft aussenden können und dass auch für Investoren klarer wird, welche Unternehmen gut aufgestellt sind, um das Potenzial des technologischen Wandels auszuschöpfen.

Ich hoffe, das war für Sie interessant. Und ich freue mich darauf, Sie bald wieder zu sehen.

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