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Langlaufende Staatsanleihen bleiben unter Druck – nicht nur in den USA. Auch in Japan könnte die Premierministerin den Anleihemärkten zukünftig mehr Aufmerksamkeit schenken, wobei sie mit deutlich fallenden Zustimmungswerten zu kämpfen hat. Vielleicht sollte sich Sanae Takaichi an der diese Woche verstorbenen Dolly Parton ein Beispiel nehmen und sich einen entspannteren 9-to-5-Lebensstil zu eigen machen, meint Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Hier sein aktueller Marktkommentar:
Die globalen Finanzmärkte haben sich in der vergangenen Woche kaum bewegt, obwohl die Zinskurven seit der Ankündigung des Rückkaufs von US-Staatsanleihen in der vergangenen Woche verhältnismäßig flach geblieben sind. Im Zuge dieser Maßnahme werden vermutlich die Emissionen langlaufender Anleihen bei der nächsten vierteljährlichen Refinanzierungsankündigung deutlich reduziert, da die US-Regierung versucht, den Aufwärtsdruck auf die Renditen langlaufender Anleihen zu begrenzen. Infolgedessen gerieten die weitverbreiteten Positionen auf eine Versteilerung der Renditekurve unter Druck.
Falls die Rückkäufe des US-Finanzministers bis dahin zu einer Lockerung der finanziellen Rahmenbedingungen führen sollten, muss dies möglicherweise durch eine etwas restriktivere Geldpolitik ausgeglichen werden, um eine Auswirkung auf die Inflation abzufedern.
Im Laufe des heutigen Tages wird der Fed-Vorsitzende Kevin Warsh eine Rede in Jackson Hole halten – unwahrscheinlich ist jedoch, dass er viel zum Thema Zinssätze sagen wird, da er erklärtermaßen auf eine Forward Guidance verzichten will.
Da die Task Forces der Fed bisher noch keine Ergebnisse ihres Researchs veröffentlicht haben, dürfte es kaum überraschen, dass sich das Thema der diesjährigen Notenbank-Konferenz offenbar von der Geldpolitik abwendet und sich stattdessen auf Finanzinnovationen und die Entwicklung digitaler Währungen konzentriert.
Wer also im Vorfeld der nächsten Fed-Sitzung heute auf Hinweise von Warsh hofft, könnte enttäuscht werden.
Die Debatte, ob es im nächsten Monat zu einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte kommen wird, ist nach unserer Einschätzung sehr ausgeglichen und dürfte wohl von den nächsten Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten abhängen. Sollten die Daten beider Bereiche über den Erwartungen liegen, ist eine Zinserhöhung sehr wahrscheinlich. Dagegen könnten schwache Zahlen im nächsten Monat einen solchen Schritt ausschließen.
Wenn die Zahlen jedoch im Rahmen der Erwartungen liegen oder in unterschiedliche Richtungen weisen, könnten die Märkte im Vorfeld der Sitzung von einer 50:50-Wahrscheinlichkeit ausgehen – je nachdem, wie sich die einzelnen Fed-Vertreter äußern.
Wir gehen eher davon aus, dass die Inflationsdaten überraschend höher ausfallen als erwartet. Daher halten wir eine Zinserhöhung im September für wahrscheinlicher, als derzeit eingepreist ist. Dennoch nehmen wir bei US-Staatsanleihen keine ausgeprägte Positionierung ein, sondern sehen weiterhin größere Chancen und Wert in inflationsgebundenen Anleihen und Derivaten.
Die Renditen europäischer Anleihen verharren auf ihren hohen Niveaus, da die August-Inflationsdaten die Argumente für eine Zinserhöhung der EZB bei ihrer nächsten Sitzung stärken. Christine Lagarde scheint sich davon distanzieren zu wollen, über diesen Zeitpunkt hinaus eine Forward Guidance zu den Zinsen abzugeben. Ihre Kollegin Isabel Schnabel jedoch betont weiterhin die Notwendigkeit einer künftigen geldpolitischen Straffung.
Europäische Erdgas-Futures, die an der TTF in den Niederlanden gehandelt werden, sind etwas weiter gestiegen, obwohl der Rohölpreis nach einer ruhigeren Woche im Nahen Osten leicht gefallen ist. Wir bezweifeln allerdings, dass der Höchststand der Gaspreise bereits erreicht ist, und das könnte weiter Druck auf Bundesanleihen ausüben.
Betrachtet man aber die 2-Jahres-Zinsswaps in der Eurozone, so bieten diese nun eine Rendite von über 3,05 %. Selbst wenn die EZB in den kommenden Monaten noch zweimal die Zinsen anheben sollte, würden die Leitzinsen erst bei 2,75 % liegen. Unterdessen dürften Basiseffekte im Jahr 2027 die Inflation deutlich nach unten ziehen, da sich die Veränderungen der Energiepreise im Jahresvergleich abflachen. Vor diesem Hintergrund ist es möglich, dass die EZB im Laufe des nächsten Jahres beginnt, die Leitzinsen in die entgegengesetzte Richtung zu steuern.
Längerfristige europäische Staatsanleihen zu halten, sehen wir weiterhin mit Vorsicht, da ein globales Überangebot offenbar nach wie vor einen gewissen Aufwärtsdruck auf die Laufzeitprämien ausübt. In Europa sticht im Vergleich aus unserer Sicht weiterhin Ungarn hervor. Dort hat die ungarische Nationalbank (NBH) aufgrund der gesunkenen Inflation in der vergangenen Woche die Zinsen gesenkt.
Auch Island ist hervorzuheben – dort könnte ein mögliches „Ja“ beim Referendum an diesem Wochenende über die Wiederaufnahme der EU-Beitrittsgespräche einen Katalysator für einen Convergence-Trade auslösen könnte. Brüssel hat angedeutet, dass es Island bereits 2028 gerne in die Eurozone aufnehmen würde. Dann ist auch Montenegro bereits für den Beitritt vorgesehen.
Als Mitglied des EWR und des Schengen-Raums könnten die Beitrittsverhandlungen mit Island zügig vorangetrieben werden, auch wenn eine endgültige Entscheidung weiterhin von der innenpolitischen Zustimmung von einem weiteren Referendum abhängen würde. Angesichts von Zinssätzen von 8 % und einer starken Außenhandelsbilanz überrascht es uns jedoch keineswegs, dass die isländische Krone in den letzten Wochen an Wert gewonnen hat.
In Japan zeigen neue Umfragen eine sinkende Unterstützung der Bevölkerung für Sanae Takaichi als Premierministerin. Ihre Zustimmungsrate ist unter dem Strich auf den tiefsten Stand seit ihrer Ernennung im vergangenen Jahr gesunken. Obwohl diese weiterhin im positiven Bereich liegt, ist die Bewertung von beeindruckenden 50+ zu Beginn dieses Jahres auf einen einstelligen Wert gefallen. Dies hat dazu geführt, dass Fraktionsführer wie Aso hinter den Kulissen aktiv Stellung beziehen.
Da Takaichi keine starke Machtbasis in ihrer eigenen Partei besitzt, macht dies sie politisch verwundbar. Bislang hatte ihre Zustimmungsrate in der Bevölkerung als starker Schutzschild gewirkt, der sie vor politischen Gegnern abschirmte, doch dieser Schutz schwächt sich nun ab. Unterdessen haben Interviews, in denen Takaichi als isoliert dargestellt wurde, ihrer Position nicht gerade geholfen. Sie witzelte selbst kürzlich, sie sei so einsam geworden, dass sie sich mit einer Kakerlake angefreundet habe.
Takaichis jüngste politische Initiativen, darunter die kürzlich beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer, haben sich als politisch unpopulär erwiesen, da finanzpolitisch verantwortungsbewusste japanische Wähler fragen, wie dies finanziert werden soll. Da sie zunehmend in die Defensive gerät, dürfte Takaichi in ihren künftigen Äußerungen weniger zu einer expansiven Finanzpolitik neigen.
Möglicherweise wird sie den Anleihemärkten mehr Aufmerksamkeit schenken, um sicherzustellen, dass sowohl die Renditen langfristiger Staatsanleihen als auch der Yen in den kommenden Monaten stärker werden können. Sollte sie zurücktreten, könnte eine stärkere Neuausrichtung auf eine konservative Finanzpolitik den japanischen Staatsanleihen und dem Yen einen noch größeren Schub verleihen, auch wenn dies zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich erscheint.
Mit Blick auf die bevorstehende Sitzung der Bank of Japan im September sehen wir zudem kaum Hindernisse für Gouverneur Ueda, eine Zinserhöhung zu befürworten. Es gibt Anzeichen für weitere Schritte in Richtung einer Normalisierung der Geldpolitik in den kommenden Monaten. Dies dürfte zu einer Abflachung der japanischen Zinskurve beitragen. Wir sehen weiterhin das Potenzial langlaufender Anleihen – zu einem Zeitpunkt, an dem sowohl die Inflations- als auch die fiskalischen Risiken offenbar etwas überbewertet wurden.
Die Bewegungen bei den Spreads von Unternehmensanleihen blieben in der vergangenen Woche verhalten und bewegen sich weiterhin in einer engen Bandbreite, ungeachtet der anhaltenden Volatilität bei Technologie- und Hyperscaler-Titeln. Im vergangenen Monat haben sich die Spreads von Staatsanleihen unterdurchschnittlich entwickelt und erscheinen nun im Vergleich zu Unternehmensanleihen günstig.
Vor diesem Hintergrund notieren französische Staatsanleihen (OATs) nun nahe den Spread-Niveaus von Euro-Unternehmensanleihen, und obwohl die Bonität Frankreichs wohl strukturell schlechter Bonität bleibt, wären wir überrascht, wenn der Spread der 10-jährigen OAT noch vor den französischen Präsidentschaftswahlen 2027 die Marke von 100 Basispunkten erreichen würde.
Auch in den Schwellenländern waren die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen relativ stabil. Anlagen in Brasilien stehen im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Oktober zunehmend im Fokus. Obwohl ein Sieg des Amtsinhabers Lula bereits eingepreist ist, könnte es zu einer Rallye brasilianischer Anlagen kommen, sollte Flavio Bolsonaro einen Überraschungssieg erringen.
Sobald das Treffen in Jackson Hole vorbei ist, werden sich die Märkte auf den US-Arbeitsmarktbericht der nächsten Woche konzentrieren. Die Daten für Juli fielen überraschend schwach aus. Sie enthielten rückwirkende Korrekturen früherer Daten. Wir können jedoch zum jetzigen Zeitpunkt kaum Anzeichen für eine Abschwächung des US-Arbeitsmarktes erkennen und wären daher überrascht, sollten die Zahlen der nächsten Woche erneut schwach ausfallen.
Die in dieser Woche verstorbene musikalische Ikone Dolly Parton erinnert uns vielleicht daran, dass wir uns alle selbst etwas weniger ernst nehmen, anderen mit Freundlichkeit begegnen und ein Lächeln auf den Lippen behalten sollten. Vielleicht sollte auch Sanae Takaichi deshalb mehr auf die positive Seite des Lebens blicken.
Schließlich gibt es in Japan derzeit fast genauso viel Grund zum Optimismus wie für einen Chelsea-Fan zu Beginn der Premier-League-Saison! Vielleicht sollte Takaichi etwas weniger hart arbeiten, zu einem 9-to-5-Lebensstil zurückkehren und ihre Führungsrolle mit einer gewissen Unbeschwertheit ausüben – gerade in einer Zeit, in der es in Japan wirklich viel zu feiern gibt.
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