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Fed-Vorsitzender Kevin Wash muss nach wie vor an seiner Glaubwürdigkeit arbeiten – wird er sich einer Zinserhöhung erneut verweigern können? Oder würde diese Haltung bereits das Ende seiner noch kurzen Ägide einläuten? Eher unbeeindruckt von alledem zeigt sich Donald Trump: das Versprechen eines Wahlgeschenkes in Höhe von 5.000 Dollar für jeden Amerikaner dürfte seinem Finanzminister kaum gefallen, sagt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Hier sein aktueller Marktkommentar:
Staatsanleihen standen in der vergangenen Woche weiterhin unter Druck. Höhere Rohstoffpreise und die Erwartung aggressiver Zinsschritte ließen die Renditen rasch steigen.
Die Lage im Nahen Osten hat sich nicht verbessert: Brent-Rohöl notiert wieder über 100 US-Dollar pro Barrel, und die TTF-Erdgaspreise, der wichtigste Maßstab für den europäischen Großhandelspreis, erreichen neue Höchststände. Die Volatilität an den Aktienmärkten hat in den letzten Tagen zugenommen. Lediglich die Stimmung im Technologie- und KI-Sektor bleibt relativ optimistisch, und Risikoanlagen halten sich insgesamt (vorerst) gut.
Heute wird der US-Verbraucherpreisindex (Consumer Price Index, CPI) für August veröffentlicht. Zur Erinnerung: Eine hawkische Rede von Fed-Chair Kevin Warsh in Jackson Hole hat die Erwartungen für eine Zinserhöhung im September gefestigt. Derzeit preisen die Märkte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung nächste Woche mit 70 % ein, und wir gehen davon aus, dass ein CPI-Wert im Konsensbereich Warsh und den Vorstand dazu veranlassen wird, die Zinsen um 0,25 % auf 3,75–4,00 % anzuheben. Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht zeigte, dass die Wirtschaft im August 162.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat – deutlich mehr als die Konsensschätzung und ein weiterer Beleg dafür, dass die Konjunktur in den USA weiterhin relativ robust ist.
Die EZB-Sitzung in dieser Woche brachte eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,50 %. Christine Lagarde bezeichnete die Anhebung als offensichtliche Entscheidung, betonte jedoch nachdrücklich, dass die EZB die Zinsentscheidungen Sitzung für Sitzung treffe und nichts sicher oder entschieden sei. Die Inflationsprognosen für 2027 sind gestiegen, doch es ist interessant, dass Lagarde darauf hinwies, dass sich das Wachstum als widerstandsfähiger und die Inflation als moderater erwiesen habe als erwartet.
Die EZB versucht, der Fed in eine Welt ohne Forward Guidance zu folgen. Als Reaktion darauf sind die europäischen Renditen (insbesondere am kurzen Ende der Kurve) rasch gestiegen. In die Terminkurve der EZB bis Mitte 2027 sind nun mehr als drei weitere Zinserhöhungen eingepreist, wodurch der Endzinssatz deutlich über 3,00 % liegt. Der Anstieg der Renditen beschränkte sich nicht auf die kurzfristigen Laufzeiten, da die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe in der vergangenen Woche um 10 Basispunkte gestiegen ist.
Der Markt befindet sich im Kapitulationsmodus, und diese Bewegungen treiben die Renditen. Wir halten die aktuellen Niveaus für attraktiv, sehen jedoch vorerst davon ab, die Duration weiter zu verlängern, da die technischen Indikatoren schlecht sind und sich die Bewegungen je nach Ausfall der Inflationsdaten und der Fed-Sitzung in der nächsten Woche noch weiter ausweiten könnten.
In Großbritannien sagten Mitglieder der Bank of England im Vorfeld einer entscheidenden Sitzung des Monetary Policy Committee in der nächsten Woche vor Abgeordneten aus. Derzeit scheint die BoE damit zufrieden zu sein, die Leitzinsen unverändert zu lassen, während sie die eingehenden Daten zu den Zweitrundeneffekten höherer Energie- und Rohstoffpreise beobachtet.
Eine Umfrage unter britischen Finanzvorständen gab Anlass zur Beruhigung, da die Löhne auf vorausschauender Basis im Laufe des nächsten Jahres sinken dürften. Allerdings nehmen die Aufwärtsrisiken für die Inflation weiter zu, wie der jüngste Bericht der Food and Drink Federation zeigt. Er geht von einem Anstieg der Lebensmittelpreise bis Mitte 2027 um 6 % im Jahresvergleich aus.
In Japan wird eine mit Spannung erwartete Regierungsumbildung wahrscheinlich dazu führen, dass Takaichis Kernteam am Platz bleibt, wobei Katayama weiterhin das Amt des Finanzministers bekleiden wird. Ihre Position stand angesichts der Gestaltung und der Markterwartungen zum Haushalt für das Geschäftsjahr 2027 auf dem Prüfstand. Derzeit ist es eher Takaichi selbst, die Plattformen wie X nutzt, um ihre Vorstellungen von einer „verantwortungsvollen, proaktiven Finanzpolitik“ zu vertreten.
Jüngste Medienberichte deuten darauf hin, dass eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der Sitzung der Bank of Japan in der kommenden Woche so gut wie beschlossene Sache ist. Äußerungen von US-Finanzminister Bessent sowie Positionsauflösungen haben den Yen nach oben getrieben. Eine Zinserhöhung um 50 Basispunkte erscheint uns angesichts der in Japan üblichen schrittweisen und konsensorientierten Entwicklung unwahrscheinlich. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Kommunikation eine beschleunigte Normalisierung der Geldpolitik signalisieren wird. Damit könnte jede Sitzung in den kommenden Monaten „entscheidend“ werden. Wir halten 30-jährige Staatsanleihen mit Renditen über 4 % weiterhin für langfristig attraktiv. Beim Yen tendieren wir jedoch dazu, Gewinne aus der aktuellen Rallye mitzunehmen, sobald sich der Kurs stabilisiert.
Wir sehen weiterhin kaum Anzeichen dafür, dass höhere Kreditkosten das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen, doch wir sollten dieses Thema im Blick behalten, insbesondere im Hinblick auf die Weitergabe der Kosten an zinssensitive Sektoren.
Wir warten auf den US-Inflationsbericht, der im Laufe des Tages veröffentlicht wird und einen aussagekräftigeren Hinweis darauf geben wird, was die Fed kommende Woche entscheiden könnte; er könnte zudem das Umfeld für Renditen und Risikoanlagen in den kommenden Wochen prägen. Eines ist sicher: Nach einigen anfänglichen Stolpersteinen ist Warshs Glaubwürdigkeit nach wie vor umstritten, und die Alternative zum Zinsschritt könnte für ihn der Schritt raus aus dem Amt werden.
An der jüngsten politischen Ankündigung von Präsident Trump oder seiner Glaubwürdigkeit bestehen hingegen keinerlei Zweifel. Das Letzte, was sein unter Druck stehender Finanzminister hören wollte, war sicherlich Trumps Versprechen einer durch das Haushaltsdefizit finanzierten „Dividende“ in Höhe von 5.000 Dollar für jeden US-Bürger, falls die Republikaner bei den bevorstehenden Zwischenwahlen die Kontrolle über den Kongress behalten sollten.
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