SpaceX – völlig losgelöst?

May 29, 2026

1,75 Billionen US-Dollar für ein Unternehmen, das bislang Verlust macht? – Der SpaceX-Börsengang ist die große Story dieser Tage. Doch Vorsicht: Wenn passive Fonds und institutionelle Anleger sich aus diversen Gründen zurückhalten, dann müssen Privatanleger das immense Volumen alleine stemmen. Eine riskante Wette, warnt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

Optimistische Privatanleger haben US-Aktien diese Woche auf neue Höchststände getrieben. Die Begeisterung rund um KI und Tech hält an. Chip-Aktien verzeichnen in letzter Zeit eine ungebrochene Nachfrage, und Unternehmen wie Micron und Hynix verzeichneten in den letzten 12 Monaten Kursgewinne von 770 % bzw. 970 %.

Auf dieser Basis baut sich ein Hype um den bevorstehenden Börsengang von SpaceX auf. Erste Kursgerüchte peilen eine Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar an. Wohlgemerkt für ein Unternehmen, das im letzten Quartal 4 Milliarden US-Dollar verloren hat. Konzepte wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis scheinen obsolet.

Privatanleger denken offenbar kurzfristig. Dieser eher spekulative Ansatz birgt Potenzial für Turbulenzen und Volatilität, sollte etwas schiefgehen. Die Zeit wird zeigen, wie klug es ist, auf Gerüchtebasis zu kaufen und später auf Faktenbasis wieder zu verkaufen, sobald der Börsengang live geht. Einstweilen beherrschen weiterhin Gier und FOMO den Markt.

Im Gegensatz dazu steht die Schwäche der Unternehmens- und Verbraucherstimmung in den meisten großen Industrieländern. Steigende Preise können Bilanzen belasten und die Nachfrage dämpfen. Die Straße von Hormus bleibt weitgehend geschlossen, mit Auswirkungen auf die Lieferketten, die noch Monate oder sogar Quartale lang andauern werden. Selbst in einem optimistischen Szenario bezweifeln wir daher, dass die Energiepreise im weiteren Verlauf des Jahres 2026 nennenswert sinken werden.

Folglich sind wir der Ansicht, dass die Märkte die Inflationsrisiken zu optimistisch einschätzen. 5-jährige US-Inflationsswaps werden derzeit nur bei 2,6 % gehandelt – ein Niveau, das nur geringfügig über dem liegt, das wir erwarten würden, wenn die Fed ihr Kern-PCE-Inflationsziel von 2 % konstant erreichen würde.

Wir erwarten, dass sowohl die EZB als auch die Bank of Japan im Juni die Zinsen anheben werden, während die Fed und die Bank of England die Zinsen unverändert lassen dürften. Vor dem Hintergrund eines schwachen Wachstums erscheint ein zweiter EZB-Schritt im September möglich, aber keineswegs garantiert. In Japan scheint eine Anhebung des Leitzinses auf 1 % im Juni und dann eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte zum Jahresende denkbar.

In den USA war es interessant zu hören, dass Gouverneur Christopher Waller eine neutrale Haltung in Bezug auf Zinssätze befürwortete. Vor wenigen Monaten, als er für das Amt des Fed-Vorsitzenden im Gespräch war, hatte er niedrigere Zinsen angemahnt. Die ausgelassene Stimmung am Aktienmarkt könnte durchaus für eine zurückhaltende Geldpolitik sprechen – Stichwort Finanzstabilität.

Ausblick

Es ist schwer zu sagen, ob Wirtschaftsdaten, Zentralbanken, die KI-Rallye oder geopolitische Ereignisse in den nächsten Wochen die dominierenden Treiber sein werden. Klar ist für uns, dass in den letzten Wochen Geld in die Märkte gesaugt wurde, entweder um Long-Positionen aufzustocken oder Short-Positionen zu schließen, und zwar auf Niveaus, die anfällig werden könnten, sollte es zu einem Abwärtstrend kommen.

Der Börsengang von SpaceX dürfte interessant werden, da Insider, die bereits Long-Positionen in der Aktie halten, das Interesse an dem Deal sicherlich befeuern werden, und auch die Wall-Street-Banken werden ihre Bestände wahrscheinlich hochjubeln. Dennoch müssen 85 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital bereitgestellt werden, damit dieser Börsengang stattfinden kann. Obwohl diese Aktie schnell in Marktindizes aufgenommen werden wird, ist unklar, ob passive Fonds von Anfang an investieren können. Institutionelle Anleger dürften die Bewertung mit Skepsis betrachten, und so wird die Nachfrage von Privatanlegerseite über den Erfolg entscheiden.

Ob die Aktie performt, wird sich zeigen. Ein Rechenbeispiel: Für eine Verdopplung des Kurses von SpaceX wäre dann noch einmal eine zusätzliche Marktkapitalisierung von 1,75 Billionen US-Dollar nötig. Bei dieser Größe kann die Schwerkraft das Wachstumstempo bremsen. Die Marktkapitalisierung des gesamten US-S&P-Index lag noch im März 2009 bei gerade einmal 6,9 Billionen US-Dollar.

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