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Hier sein aktueller Marktkommentar:
Die anhaltende Volatilität der Technologieaktien war in der vergangenen Woche rund um den Globus das dominierende Markthema. Trotz starker Gewinne von Nvidia herrschte eine pessimistische Stimmung, die sich weiter zu verstärken droht. Für US-Anleihen ist das Protokoll der letzten Fed-Sitzung wichtig. Darin werden die Aussichten auf eine Zinssenkung im Dezember heruntergeschraubt, was durch einen nicht sehr aussagekräftigen Arbeitsmarktbericht für September untermauert wird.
Wir gehen jedoch davon aus, dass es noch zu einer weiteren Zinssenkung kommen könnte, bevor die Politik eine Pause einlegt. Zum jetzigen Zeitpunkt rechnen wir für 2026 aufgrund der relativ optimistischen Wirtschaftsaussichten in den USA nicht mit weiteren Zinssenkungen.
Die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen trugen diese Woche dazu bei, die Befürchtungen hinsichtlich einer Schwäche des US-Arbeitsmarktes zu entschärfen. Wir rechnen zwar in den kommenden Monaten mit einem geringeren Beschäftigungswachstum. Da in den USA jedoch zunehmend weniger Ausländer leben, halten wir es für unwahrscheinlich, dass diese Schwäche zu einem wesentlichen Anstieg der Arbeitslosenquote führen wird.
Angesichts des bereits soliden BIP-Wachstums in den USA legen die zusätzlichen Impulse durch Zinssenkungen, Steuersenkungen und Deregulierung eine Beschleunigung der Wirtschaftstätigkeit in der Zukunft nahe. Da die Unternehmen Pläne angekündigt haben, im Laufe des kommenden Jahres 300 Milliarden US-Dollar in KI-bezogene Projekte in den USA zu investieren, würde uns ein reales BIP-Wachstum von 3,5 % im Jahr 2026 nicht überraschen. Auch die Preise dürften eher steigen, so dass nach unserer Einschätzung die Inflationsrate auf 3,5 % zulegen könnte – das entspräche einer Wachstumsrate des nominalen BIP von 7 %.
Für die Unternehmensgewinne ist dies ein förderliches Umfeld, und niedrigere Zinsen wären deshalb nicht gerechtfertigt. Auch im Weißen Haus scheint man zunehmend zu erkennen, dass die Inflation bei den Zwischenwahlen im nächsten Jahr eine der größten Herausforderungen für die Republikaner darstellen wird.
Japanische Anlagen stehen seit der vergangenen Woche zunehmend unter Druck. In ihrem Bestreben, sich das Mantra der Abenomics zu eigen zu machen, drängt Premierministerin Sanae Takaichi auf eine lockerere Geld- und Fiskalpolitik, um das nominale BIP-Wachstum anzukurbeln. Damit verunsichert sie jedoch die Märkte.
Das Problem dieser reflationären Haltung: Im Gegensatz zur Amtszeit des ehemaligen Premierministers Abe kämpft die japanische Wirtschaft heute nicht mit einer zu schwachen, sondern mit einer zu starken Inflation. Eine Politik, die darauf abzielt, die Inflation weiter anzukurbeln, obwohl der Verbraucherpreisindex in den letzten drei Jahren mit 3 % bereits über dem Zielwert lag, muss daher als völlig fehlgeleitet erscheinen.
Bei Treffen mit vielen der größten japanischen Investoren letzte Woche waren Sorgen über Takaichis Agenda das beherrschende Thema. Es wird befürchtet, dass es in den kommenden Tagen und Wochen zu einem „Sell Japan Trade” kommen könnte, sofern der Kurs nicht korrigiert wird.
Sanae Takaichi schafft sich ihre Probleme offenbar selbst, und das trifft wohl ebenso auf Rachel Reeves in Großbritannien zu. Die am vergangenen Wochenende durchgesickerten Informationen, dass Einkommenssteuererhöhungen aus dem Haushalt in der nächsten Woche ausgeschlossen werden sollen, wurden an den Finanzmärkten mit Skepsis aufgenommen. Immerhin hat die britische Finanzministerin ständig ihre Meinung geändert, was ihrer (verbleibenden) Glaubwürdigkeit schwer geschadet hat.
Die Renditen britischer Staatsanleihen sind zu Beginn der Woche stark gestiegen. Die Märkte werden zunehmend nervös, dass die Labour-Partei aufgrund des politischen Scheiterns in den kommenden Wochen Reeves und möglicherweise auch Premier Starmer ersetzen könnte. Man befürchtet, dass Labour sich in einem solchen Szenario nach links orientieren könnte, was eine noch dramatischere Schwäche britischer Vermögenswerte auslösen könnte.
In der EU bleiben die Märkte vorerst stabiler. Jüngste Treffen mit politischen Entscheidungsträgern vermitteln jedoch eine relativ pessimistische Einschätzung der Aussichten für Europa. Obwohl fiskalische Anreize das BIP 2026 anheben sollen, leidet die EU unter hohen Energiekosten, die die Industrie wettbewerbsunfähig machen.
Die deutsche Automobilindustrie verliert Marktanteile. Gleichzeitig herrscht eine Stimmung der langanhaltenden Unzufriedenheit. Verbraucher halten sich deshalb mit ihren Ausgaben zurück und Unternehmen sind nicht bereit zu investieren. In diesem Sinne beunruhigen die Stimmen, dass Europa sich in ein Museum verwandeln könnte – einen Ort, den man gerne besucht und der schön anzusehen ist, an dem aber eigentlich sehr wenig passiert.
Unter den Währungen tendieren wir weiterhin dazu, den US-Dollar zu bevorzugen, denn das außergewöhnliche Wachstum der USA ist nach wie vor sehr lebendig und positiv.
Bald dürften mehr Wirtschaftsdaten vorliegen, die Aufschluss über die sich entwickelnden Konjunkturaussichten in den USA geben. Die letzte Woche hat jedoch erneut gezeigt, wie sehr politische und geldpolitische Veränderungen die Märkte beeinflussen können.
In einer Zeit, in der die Staatsverschuldung weltweit hoch ist und die Unzufriedenheit der Wählerinnen und Wähler mit den etablierten politischen Parteien rund um den Globus zunimmt, werden wir daran erinnert, dass politische und durch die Politik verursachte Volatilität weiterhin die globalen Märkte prägen werden.
Das mögliche Platzen einer KI-Blase im kommenden Jahr dürfte weiterhin ein wichtiges Thema für Anlegerinnen und Anleger sein. Doch der richtige Zeitpunkt dafür ist sehr schwer zu bestimmen. In Blasenmärkten kann es genauso riskant sein, Short-Positionen wie Long-Positionen einzugehen, wie uns die Verdopplung des Nasdaq-Index am Ende des Dotcom-Booms 1999 vor Augen geführt hat.
Aus dieser Perspektive heraus befinden wir uns nicht in einem Umfeld, in dem es sich lohnt, zu hohe Risiken einzugehen. Auf makroökonomischer Ebene können jedoch spezifische Entwicklungen auf Länderebene erhebliche Chancen bieten, die sich bei politischen Fehlentscheidungen deutlich bemerkbar machen können.
Wir möchten darauf hinweisen, dass sich die japanische Wirtschaft in den letzten Jahren relativ gut entwickelt hat. Das Wachstum war positiv und wurde durch eine steigende Produktivität bei gleichzeitig sinkendem Arbeitskräfteangebot gestützt. Das Land hat eine Phase der Deflation und Stagnation hinter sich gelassen, und sogar die Schuldenquote befindet sich in einem Abwärtstrend.
Angesichts dieser Situation hoffen wir natürlich, dass Premierministerin Takaichi keine Politik betreibt, die diesen Erfolg noch in den letzten Augenblicken verspielt, weil sie einige der möglichen Folgen ihres Handelns nicht vollständig erfasst hat. Die Zeit wird zeigen, ob sie eine Kehrtwende vollziehen wird. Bislang scheint sie jedoch ziemlich immun gegen jegliche Kritik zu sein.
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