Im Eimer – Trash-Politik auf dem Vormarsch

Jul 10, 2026

Von der Weltpolitik bis zum Weltfußball möchte so mancher Beobachter aktuell am liebsten alles in die Tonne kloppen. Mit „Count Binface“ geht die britische Politik mit gutem Beispiel voran, lobt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

US-Renditen stiegen diese Woche vor dem Hintergrund erneuter Nahost-Spannungen weiter an. Eine Normalisierung des Handels durch die Straße von Hormus liegt in weiter Ferne. Präsident Trump erklärte das Waffenstillstandsabkommen für obsolet, doch die Märkte bleiben skeptisch, ob es zu einer wesentlichen Eskalation kommt oder nicht. Taten sagen mehr als Worte, und Anleger glauben nicht, dass die US-Regierung sich erneut in den regionalen Sumpf hineinziehen lassen will. Daher die geringe Volatilität.

Infolgedessen tendiert der Markt weiterhin in Richtung Carry-Geschäfte. Die anhaltende Nachfrage nach neuen Aktien- und Anleiheemissionen bleibt vorerst robust – die Jumbo-Anleiheemission von Amazon in Höhe von 25 Milliarden US-Dollar diese Woche ist die siebte Transaktion dieser Größenordnung seit Jahresbeginn.

Allerdings scheint das schiere Volumen der Neuemissionen von Anleihen (und Aktien) zunehmend zu einem Engpass zu werden, der die Aufwärtsdynamik der Kurse begrenzt. Der Ansturm auf die Beschaffung von Liquidität könnte die Frage aufwerfen, wie wirksam groß angelegte Unternehmensinvestitionsprogramme wirklich sind, und Anleger dürften Belege für Gewinnwachstum fordern, um diese Ambitionen zu untermauern. 

Wir gehen davon aus, dass diese Frage in den kommenden Monaten nur noch an Bedeutung gewinnen wird, und eine abrupte Kehrtwende in der Stimmung rund um KI könnte einen erheblichen makroökonomischen Schock auslösen. Allerdings sehen wir vorerst noch kaum Anzeichen dafür, dass dies eintreten könnte.

Für Anleger in festverzinsliche Wertpapiere dürfte derzeit wichtiger sein, dass die robuste Investitionsdynamik im KI-Bereich einen relativ langsamen Rückgang der US-Inflation wahrscheinlich macht, was die Fed auf einem restriktiven Kurs halten dürfte. Bei einer genaueren Analyse der Inflationsaussichten fällt auf, dass die Benzinpreise trotz niedrigerer Rohölpreise aufgrund der Knappheit an Raffinerieprodukten relativ stabil bleiben. Unterdessen ist zwar mit einer Abschwächung der Inflation auf dem US-Wohnungsmarkt zu rechnen, doch da gleichzeitig KI die Chip-Preise in die Höhe treibt, rechnen wir nicht mit einem deutlich schnelleren Rückgang des Verbraucherpreisindexes. 

Unserer Meinung nach preisen die US-Geldmärkte die künftige Zinsentwicklung mit einer Anhebung um 25 Basispunkte im September und einem weiteren Schritt im ersten Quartal des nächsten Jahres angemessen ein. Eine Prognose für die Fed-Sitzung im Juli ist schwieriger. Da Kevin Warsh auf eine Forward Guidance verzichtet, werden die Marktteilnehmer wahrscheinlich bis zur letzten Minute im Unklaren bleiben. Eine Diskussion innerhalb des Offenmarktausschusses über eine Zinserhöhung schon im Juli ist wahrscheinlich, aber es würde uns auch nicht überraschen, wenn die Zinserhöhung bis Herbst aufgeschoben würde. 

In Europa rechnen wir eher mit einer Zinspause der EZB im Juli, doch eine Entscheidung im September wird von der Entwicklung der Konjunkturdaten der nächsten Monate abhängen. Die Renditekurven in den USA und Europa sind relativ flach, und anhaltende Bedenken hinsichtlich der Fiskalpolitik und der Entwicklung der Staatsverschuldung dürften auf absehbare Zeit auf Wertpapiere mit langer Laufzeit drücken. Es scheint jedoch noch nicht der richtige Zeitpunkt zu sein, um auf eine Versteilung der Zinsstrukturkurve zu setzen, solange das Aufwärtsrisiko für die Märkte – die eine noch stärkere geldpolitische Straffung einpreisen, als derzeit berücksichtigt ist – nicht überwunden ist.

Diese Woche rückte die französische Politik erneut in den Fokus, nachdem Marine Le Pen die Zulassung als Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National für die Wahl im nächsten Jahr erhalten hat. Die Märkte betrachten Le Pen als extremer und polarisierender als ihren jüngeren Kollegen Jordan Bardella. Infolgedessen haben sich französische OATs im Laufe der Woche unterdurchschnittlich entwickelt, wobei sich der Spread für 10-jährige Anleihen auf 82 Basispunkte ausgeweitet hat und damit knapp unter dem Höchststand des vergangenen Sommers von 85 Basispunkten liegt.

Am Devisenmarkt lag der Fokus hinsichtlich möglicher Interventionen stark auf dem Yen, doch bislang wurden noch keine entscheidenden politischen Maßnahmen ergriffen. Das britische Pfund entwickelt sich überdurchschnittlich, da die Anleger die politischen Risiken nach dem Amtsantritt von Andy Burnham als Premierminister überraschenderweise herunterspielen.

Ausblick

Das Risiko einer weiteren Eskalation im Nahen Osten in den kommenden Wochen bleibt. Ein Ausverkauf an den Märkten wäre ein attraktiver Einstiegspunkt, um Risikopositionen aufzubauen, es sei denn, die US-Regierung überdenkt ihre Haltung hinsichtlich eines Bodeneinsatzes im Iran, aber das ist wenig wahrscheinlich. Die Märkte sind im Sommer weniger liquide und die Volatilität niedriger. Schon geringfügige Anlässe könnten für Positionsschließungen und kurzfristige Verwerfungen sorgen. Dies spricht dafür, geduldig abzuwarten, bis sich Chancen bieten.

Analysten werden die Äußerungen von Kevin Warsh bei der Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats nächste Woche genau verfolgen, um Hinweise auf eine mögliche Zinserhöhung im Juli zu erhalten. Konsensschätzungen für den US-Verbraucherpreisindex nächste Woche gehen von einem Rückgang von 4,2 % auf 3,9 % aus; sollte die Kerninflationsrate jedoch leicht ansteigen, könnte dies ebenfalls für eine Zinserhöhung Ende dieses Monats sprechen. Sie wird derzeit nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 % eingepreist, doch sollten wir vor Beginn der „Blackout-Phase“ der Fed ab Ende nächster Woche mehr Klarheit haben.

In Großbritannien könnte es „Count Binface“, einem Spaßpolitiker im Mülleimerkostüm, vielleicht gelingen, Nigel Farage zu Fall zu bringen. Das wäre ein weiteres Beispiel dafür, in was für surrealen Zeiten wir leben. Mit dem siebten neuen Premierminister in den letzten zehn Jahren befindet sich das Königreich ohnehin an der Grenze zur Lachnummer.

Washington D.C. wirkt allerdings im Moment fast genauso surreal. Wie viel langfristiger Schaden entsteht da an den politischen Strukturen, den internationalen Beziehungen und den Normen des zivilisierten Diskurses? Anscheinend wird aktuell alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert, und Trump dominiert weiterhin Berichterstattung und Agenda. Weitreichend einig scheint sich die Welt höchstens darin zu sein, dass die FIFA schlecht geführt ist. Count Binface würde einen besseren Job machen.

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