Die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs

Apr 17, 2026

Die Kämpfe im Iran scheinen vorerst beendet, doch die wirtschaftlichen Folgen werden erst nach und nach sichtbar. Während der US-Präsident Streit mit dem Papst sucht, sollten Anleger lieber Inflations- und Rezessionsgefahren im Blick behalten, sagt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

Der Waffenstillstand im Nahen Osten hält, die Anleiherenditen weltweit notieren niedriger, und US-Aktien sind wieder über das Niveau vor Beginn der Operation „Epic Fury“ gestiegen. Es herrscht Optimismus, dass eine Einigung in greifbarer Nähe liegt, auch wenn die Straße von Hormus vorerst weitgehend gesperrt bleibt.

Vor diesem Hintergrund sind wir derzeit der Ansicht, dass der Ölpreis selbst in einem Szenario, in dem es relativ bald zu einer Einigung kommt, in den kommenden sechs Monaten nicht wesentlich unter 80 US-Dollar fallen wird, wenn man die Schäden an der Infrastruktur und die Zeit berücksichtigt, die es dauern wird, bis sich die Lieferketten wieder normalisieren. Referenz-Öl-Futures werden zwar wieder unter 100 US-Dollar pro Barrel gehandelt, die Preise für Brent zur sofortigen Lieferung liegen jedoch bei rund 140 US-Dollar, da sich die Engpässe allmählich bemerkbar machen.

Tanker benötigen bis zu vier Wochen vom Golf bis zu ihrem Ziel, und auf den Verbrauchermärkten werden erst jetzt die ersten Engpässe spürbar, die sich im Laufe der kommenden Wochen wahrscheinlich noch deutlich verschärfen werden.

Im Falle der USA bedeutet die niedrige Besteuerung von Benzin, dass die prozentuale Veränderung der Preise an der Zapfsäule deutlicher ausfällt als anderswo. Anders ist die Lage beim Erdgas: Die Preise sind in den US-Midlands nicht gestiegen, in Europa infolge der LNG-Lieferunterbrechungen aus dem Golf hingegen deutlich.

Die Lebensmittelinflation dürfte steigen, da gestörte Düngemittellieferungen die Ernteerträge in diesem Jahr beeinträchtigen und erhöhte Transportkosten ebenfalls zu höheren Verbraucherpreisen führen. Dasselbe gilt für die Flugpreise, die bereits im vergangenen Monat wegen höherer Kerosinpreise dramatisch gestiegen sind.

Sowohl in Europa als auch in den USA dürfte die Inflation um 1 % höher ausfallen als ohne diesen negativen Angebotsschock. Der Gesamt-Verbraucherpreisindex dürfte im Euroraum 3 % erreichen, in den USA sogar 4 %, wobei die Kerninflation etwa 0,5 % unter diesem Niveau liegen dürfte.

Gleichzeitig dürfte das Wirtschaftswachstum um etwas mehr als 0,5 % beeinträchtigt werden. Damit wird die US-Wirtschaft zwar weiterhin mit einem soliden Tempo von über 2 % wachsen, doch in der Eurozone liegt unsere Basisprognose für das Wachstum nun nur noch bei etwa 0,5 %. In einem ungünstigen Fall könnte der Konflikt in den kommenden Tagen erneut eskalieren, und eine Rezession zu einem realistischen Szenario werden.

Was die EZB betrifft, so rechnen wir für 2026 mit zwei Zinserhöhungen, was den Erwartungen an den Terminmärkten entspricht. Wir können uns nur schwer vorstellen, dass die Fed unter Kevin Warsh in diesem Jahr die Zinsen anheben wird. Zinssenkungen sind aber ebenfalls sehr unwahrscheinlich - jedenfalls bis die Inflation wieder sinkt.

An den Devisenmärkten tendiert der Dollar schwächer, da der Konflikt im Nahen Osten nachgelassen hat. Wir denken, dass wir uns zukünftig auf ein Regime mit einem schwächeren Dollar zubewegen und dass die Entwicklungen weltweit zu mehr Investitionen im Inland führen werden, da Länder und Regionen bestrebt sind, Ersparnisse zu halten, um lokale Ziele zu finanzieren.

Aufgrund des sinkenden Ansehens der USA möchten viele Anleger ihre Investments aus dem US-Markt abziehen, und suchen anderswo nach Chancen. Diese Entwicklung kann sich positiv auf Schwellenländer auswirken, insbesondere auf diejenigen, die Öl exportieren, wie Brasilien, Kolumbien oder andere Länder in Lateinamerika. Hier ist die Schwäche von Anleihen in lokaler Währung seit Beginn des Konflikts nicht gerechtfertigt. Es erscheint sinnvoll, Long-Positionen gegenüber Short-Positionen in asiatischen Ländern wie Indien, Thailand oder den Philippinen, die alle Ölimporteure sind, aufzustocken.

Vor diesem Hintergrund sind wir der Ansicht, dass an den Unternehmensanleihe- und Aktienmärkten nach wie vor zu viel Optimismus herrscht. Es scheint nicht, dass die Märkte die Veränderungen im makroökonomischen Umfeld vollständig eingepreist hätten, selbst wenn es Trump gelingen sollte, in den kommenden Tagen ein Friedensabkommen zu erzielen.

Ausblick

Der Fokus wird sich irgendwann von der täglichen Analyse rund um die Straße von Hormus wieder auf die Wirtschaftsdaten und den sich aufbauenden Inflationsdruck sowie den daraus resultierenden Wachstumsschock verlagern, die durch die Ereignisse bereits im System angelegt sind.

Positive Überraschungen bei den Daten des Verbraucherpreisindex sind sehr wahrscheinlich. Da die Rhetorik der Zentralbanken zunehmend restriktiver wird, ist es sehr gut möglich, dass dies der Auslöser sein wird, der Risikoanlagen in den kommenden Tagen unter Druck geraten. Denn die Aktienmärkte scheinen stets Schwierigkeiten zu haben, geopolitische Risiken einzupreisen. Letztendlich werden es die Zinsen und die Geldpolitik sein, die einen direkteren Einfluss haben werden.

Bei Treffen mit italienischen Investoren war es diese Woche interessant zu sehen, mit wieviel Abscheu und Fassungslosigkeit sie den Versuch des US-Präsidenten verfolgten, den Papst über seine religiöse Selbstinszenierung auf X anzugreifen.

Interessant ist auch, wie politische Führer rechtsextremer populistischer Parteien in Europa versuchen, sich von Trump zu distanzieren. JD Vances Versuche, die Wiederwahl von Viktor Orbán zu unterstützen, scheinen eher das Gegenteil bewirkt zu haben. Eine wie auch geartete Verbindung mit der aktuellen US-Regierung wird von vielen Politikern aktuell als potenziell schädlich eingestuft.  Die Beziehungen zwischen den USA und Europa dürfte das nicht einfacher machen.

In der Tat fragt man sich, wann Trumps Angriffe auf die NATO dazu führen werden, dass sich die USA aus dem Bündnis zurückziehen – oder ob es mal wieder an der Zeit ist, dass Trump Grönland ins Visier nimmt, weil er über das Scheitern der US-Politik im Nahen Osten frustriert ist.

Analysen per E-Mail abonnieren

Erhalten Sie jetzt aktuelle Investment- und Wirtschaftsanalysen unserer Experten direkt in Ihre Mailbox.

Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Marketingmitteilung, die von folgenden Stellen erstellt und herausgegeben werden kann: im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) von BlueBay Funds Management Company S.A. (BBFM S.A.), die von der Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) reguliert wird. In Deutschland, Italien, Spanien und den Niederlanden ist die BBFM S.A. im Rahmen einer Zweigniederlassungsgenehmigung gemäss der Richtlinie über Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (2009/65/EG) und der Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds (2011/61/EU) tätig. Im Vereinigten Königreich (UK) durch RBC Global Asset Management (UK) Limited (RBC GAM UK), die von der britischen Financial Conduct Authority (FCA) zugelassen und beaufsichtigt wird, bei der US Securities and Exchange Commission (SEC) registriert ist und Mitglied der National Futures Association (NFA) ist, die von der US Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zugelassen ist. In der Schweiz durch die BlueBay Asset Management AG, deren Vertreter und Zahlstelle die BNP Paribas Securities Services, Paris, succursale de Zurich, Selnaustrasse 16, 8002 Zürich, Schweiz ist. Der Erfüllungsort befindet sich am Sitz des Vertreters. Für Klagen im Zusammenhang mit dem Angebot und/oder der Bewerbung von Aktien in der Schweiz sind die Gerichte am Sitz des schweizerischen Vertreters oder am Sitz oder Wohnsitz des Anlegers zuständig. Der Prospekt, die wesentlichen Anlegerinformationen (Key Investor Information Documents - KIIDs), die wesentlichen Informationen über Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsprodukte (Packaged Retail and Insurance-based Investment Products - Key Information Documents - PRIIPs KIDs), soweit zutreffend, die Satzung und alle anderen erforderlichen Dokumente, wie z.B. die Jahres- und Halbjahresberichte, können kostenlos beim Vertreter in der Schweiz bezogen werden. In Japan durch BlueBay Asset Management International Limited, die beim Kanto Local Finance Bureau des japanischen Finanzministeriums registriert ist. In Asien durch RBC Global Asset Management (Asia) Limited, die bei der Securities and Futures Commission (SFC) in Hongkong registriert ist. In Australien ist RBC GAM UK von dem Erfordernis einer australischen Finanzdienstleistungslizenz gemäss dem Corporations Act befreit, da sie von der FCA nach den Gesetzen des Vereinigten Königreichs reguliert wird, die sich von den australischen Gesetzen unterscheiden. In Kanada durch RBC Global Asset Management Inc. (einschließlich PH&N Institutional), die der Aufsicht der Wertpapieraufsichtsbehörde der jeweiligen Provinz bzw. des Territoriums unterliegt, bei der sie registriert ist. RBC GAM UK ist nicht nach den Wertpapiergesetzen registriert und beruft sich auf die Ausnahmeregelung für internationale Händler nach den geltenden Wertpapiergesetzen der Provinzen, die es RBC GAM UK erlaubt, bestimmte spezifizierte Händlertätigkeiten für in Kanada ansässige Personen auszuüben, die als "zugelassener kanadischer Kunde" im Sinne der geltenden Wertpapiergesetze gelten. In den Vereinigten Staaten durch RBC Global Asset Management (U.S.) Inc. („RBC GAM-US“), einen bei der SEC registrierten Anlageberater. Die oben genannten Unternehmen werden in diesem Dokument gemeinsam als „RBC BlueBay“ bezeichnet. Die angegebenen Registrierungen und Mitgliedschaften sind nicht als Befürwortung oder Genehmigung von RBC BlueBay durch die jeweiligen lizenzierenden oder registrierenden Behörden auszulegen. Nicht alle hierin beschriebenen Produkte, Dienstleistungen oder Anlagen sind in allen Rechtsordnungen verfügbar, und einige sind aufgrund lokaler aufsichtsrechtlicher und rechtlicher Anforderungen nur eingeschränkt verfügbar.

Dieses Dokument ist nur für „Professionelle Kunden“ und „Geeignete Gegenparteien“ (im Sinne der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente („MiFID“) oder der FCA) oder in der Schweiz für „Qualifizierte Anleger“ im Sinne von Artikel 10 des Schweizerischen Kollektivanlagengesetzes und seiner Ausführungsverordnung oder in den USA für „Zugelassene Anleger“ (im Sinne des Securities Act von 1933) oder „Qualifizierte Käufer“ (im Sinne des Investment Company Act von 1940) bestimmt und sollte von keiner anderen Kundenkategorie als verlässlich angesehen werden.

Sofern nicht anders angegeben, wurden alle Daten von RBC BlueBay bezogen. Dieses Dokument ist nach bestem Wissen und Gewissen von RBC BlueBay zum Zeitpunkt der Erstellung wahr und korrekt. RBC BlueBay gibt keine ausdrücklichen oder stillschweigenden Garantien oder Zusicherungen in Bezug auf die in diesem Dokument enthaltenen Informationen und lehnt hiermit ausdrücklich alle Garantien in Bezug auf Genauigkeit, Vollständigkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck ab. Meinungen und Schätzungen stellen unser Urteil dar und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. RBC BlueBay bietet keine Anlage- oder sonstige Beratung an, und nichts in diesem Dokument stellt eine Beratung dar und sollte auch nicht als solche interpretiert werden. Dieses Dokument stellt weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren oder Anlageprodukten in irgendeiner Rechtsordnung dar und dient ausschliesslich Informationszwecken.

Kein Teil dieses Dokuments darf zu irgendeinem Zweck oder auf irgendeine Art ohne die vorherige, schriftliche Einwilligung von RBC BlueBay reproduziert, weiterverteilt, direkt oder indirekt an irgendeine andere Person übermittelt bzw. ganz oder auszugsweise veröffentlicht werden. Copyright 2023 © RBC BlueBay. RBC Global Asset Management (RBC GAM) ist die Vermögensverwaltungsdivision der Royal Bank of Canada (RBC), zu der die RBC Global Asset Management (U.S.) Inc. (RBC GAM-US), RBC Global Asset Management Inc., RBC Global Asset Management (UK) Limited und RBC Global Asset Management (Asia) Limited gehören, bei denen es sich um separate, aber verbundene Unternehmen handelt. ® / Eingetragene Marke(n) der Royal Bank of Canada und BlueBay Asset Management (Services) Ltd. Verwendet unter Lizenz. BlueBay Funds Management Company S.A., eingetragener Sitz 4, Boulevard Royal L-2449 Luxemburg, in Luxemburg unter der Nummer B88445 eingetragene Gesellschaft. RBC Global Asset Management (UK) Limited, eingetragener Firmensitz 100 Bishopsgate, London EC2N 4AA, eingetragen in England und Wales unter der Nummer 03647343. Alle Rechte vorbehalten

Direct from Dowding

Melden Sie sich an, um Mark Dowdings Kommentare direkt in Ihre Mailbox zu erhalten.


Bestätigung Ihrer Anmeldung

Ich bestätige, dass ich ein institutioneller Anleger / professioneller Investor bin. Mit der Übermittlung dieser Angaben erkläre ich mich damit einverstanden, zusätzlich zu allen anderen von mir gewählten E-Mail-Abonnements E-Mails von RBC BlueBay Asset Management zu erhalten, die interessante Einblicke und Denkanstöße bieten.

(Sie können sich jederzeit am Ende jeder E-Mail, die Sie erhalten, abmelden oder Ihre Einstellungen anpassen. Lesen Sie unsere Datenschutzrichtlinie, um zu erfahren, wie wir Ihre persönlichen Daten schützen).


Bitte tragen Sie die unten angezeigten Zeichen ein:

Beim Aufruf des CAPTCHA-Bildes ist ein Fehler aufgetreten.