Südkorea: langfristiges Potenzial dank Reformen

Apr 13, 2026

Will Hayes, Associate Portfoliomanager für Schwellenländeraktien, analysiert den Aufschwung des südkoreanischen Aktienmarkts.

Auf einen Blick:

  • Renaissance des Aktienmarkts: Südkorea ist der „entwickelte Schwellenmarkt“, der noch immer in keine Schublade passt. Nach zahlreichen enttäuschenden Jahren blicken viele Investoren skeptisch auf den Markt, doch die vergangenen zwölf Monate haben viele überrascht.
  • Günstige Makro-Bedingungen: In der Entwicklung Künstlicher Intelligenz spielt Südkorea vorne mit, insbesondere durch seine weltweit führenden Speicherhersteller. Und als industrielles Schwergewicht im Schiffbau sowie in der Rüstung und im Energiesektor profitiert das Land sogar von der derzeitigen geopolitischen Unsicherheit.
  • Vorsichtiger Optimismus: Südkorea reformiert aktuell seine Corporate Governance und stärkt die Rechte von Aktionären. Allerdings werden wohl nicht alle Unternehmen den aktionärsfreundlicheren Kurs mittragen.


Der KI-Boom als Wachstumsmotor

Die exportorientierte Wirtschaft mit einem soliden industriellen Fundament macht Südkorea in dem aktuellen globalen Klima interessant – die Welt fragt nach, was Südkorea verkauft. Mit Energie, Schiffbau und Verteidigung boomen genau die Sektoren, die als kritisch gelten, da man entsprechende Produkte praktisch nur von geopolitisch vertrauenswürdigen Partnern beziehen kann. (Zumindest scheint diese Sichtweise in Nordamerika verbreitet.)

Der wichtigste südkoreanische Exportartikel ist jedoch nach wie vor ein anderer: Speicherchips. Im Chipsektor sind Engpässe besonders spürbar, da das Angebot nicht mit der Nachfrage der KI-Entwickler mithalten kann. Die Folge: Die Preise steigen, und zwar sowohl für Speicherprodukte mit hoher Bandbreite als auch für Standardprodukte. In einer zunehmend konsolidierten Branche behaupten sich zwei südkoreanische Speicherriesen, die zusammen mehr als 50% des MSCI Korea ausmachen. Ihr Schicksal sowie die weitere Entwicklung Künstlicher Intelligenz werden die Richtung des südkoreanischen Aktienmarktes auch in Zukunft entscheidend prägen. Der Optimismus ist groß, jetzt müssen die operativen Ergebnisse die hohen Erwartungen erfüllen.

Reformen der Corporate Governance

Sehr viel wechselhafter ist die Aufmerksamkeit, die die laufenden – und signifikanten – Governance-Reformen erhalten. Traditionell besteht das Vermögen südkoreanischer Haushalte vor allem aus Immobilien, doch die Regierung bemüht sich mit allen Mitteln, Vermögen in die Aktienmärkte umzulenken. Die Zahl der Haushalte, die in Aktien investieren, hat sich in den letzten fünf Jahren verdreifacht. Und nach einer langen Phase des politischen Stillstands konnte Präsident Lee Jae Myung, der im Wahlkampf unter anderem versprochen hatte, den Aktienmarkt zu stärken, mit Rückendeckung der Nationalversammlung bereits konkrete Maßnahmen umsetzen.

Die Auswirkungen der Reformen sollte man nicht unterschätzen. Insbesondere wurde das Handelsgesetzbuch umgeschrieben, sodass Vorstände zukünftig nicht nur dem Unternehmen, sondern auch ihren Aktionären gegenüber in der Verantwortung stehen. Wer Korea nicht kennt, könnte eine solche Regelung für selbstverständlich halten. Tatsächlich jedoch besteht erst seit den Reformen eine echte Rechenschaftspflicht, durch die den Verantwortlichen bei Verstoß auch Konsequenzen drohen. Dass es bis 2025 gedauert hat, bis ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wurde, steht auf einem anderen Blatt. In jedem Fall ist diese Reform nur eine von vielen geplanten Gesetzesinitiativen, die die Rechte von Minderheitsaktionären in Südkorea stärken könnten. Anders als Geopolitik und Künstliche Intelligenz machen die obligatorische Einziehung eigener Aktien, kumulative Stimmabgabe und Stimmrechtsbeschränkungen bei der Wahl des Prüfungsausschusses keine Schlagzeilen, doch Investoren in Südkorea dürften von diesen Reformen noch jahrelang profitieren.

Ein zweischneidiges Schwert

Am Aktienmarkt Südkoreas waren die Folgen während der letzten zwölf Monate deutlich zu spüren: Kleinanleger investierten – und konnten hohe Renditen abschöpfen. Dass mehr Koreaner in koreanische Aktien investieren, ist zweifellos eine positive Entwicklung, die jedoch insbesondere in dem unbeständigen globalen Marktumfeld der Gegenwart auch ihre Schattenseite hat. Die Volatilität am koreanischen Aktienmarkt nimmt vor allem in den bei Pirvatanlegern beliebten wachstumsstarken Sektoren weiter zu, aus den Kursbewegungen lassen sich zunehmend unüberlegte und kurzfristige Reaktionen herauslesen.

Doch für die Regierung ist der Vermögenstransfer in den Aktienmarkt aus mehreren Gründen von großer Bedeutung – nicht zuletzt, weil er zur Sicherung der Renten einer alternden Bevölkerung beiträgt. Mehr Wohlstand kann zudem junge Koreaner überzeugen, dass sie die finanzielle Belastung einer Familie tragen können. Koreas demografischer Wandel beschleunigt die Entwicklung von Robotik und Künstlicher Intelligenz, und der technologische Vorsprung, der sich aus der herausragenden Stellung in diesen Bereichen ergibt, verschafft dem Land zwangsläufig einen Wettbewerbsvorteil. Dennoch wird die Regierung das Problem der schwachen Geburtenrate weiter in Angriff nehmen wollen, wobei ein Vermögenseffekt durch koreanische Aktien wohl nicht ungelegen käme.

Sinkt der Korea-Rabatt?

Unser erstes Fazit: Südkorea hat echte Reformen eingeleitet, die jetzt durch Gesetze zementiert werden und kaum reversibel sind. Die durchwachsene Geschichte südkoreanischer Corporate Governance, die den „Korea-Rabatt“ hervorgebracht hat, lässt sich jedoch nicht einfach ausradieren. Es wäre naiv anzunehmen, dass alle koreanischen Unternehmen, einschließlich aller „Chaebol“, plötzlich einen Sinneswandel vollziehen und den Rechten ihrer Minderheitsaktionäre Vorrang gegenüber ihren eigenen Interessen einräumen.

Damit kommen wir zu unserem zweiten Fazit: Regierung und Parlament schaffen weiterhin die Rahmenbedingungen für einen Wandel am Aktienmarkt, doch das Zepter des Handelns liegt zunehmend bei den Unternehmen selbst. Bislang hat die Flut noch immer alle Boote angehoben – was in einigen Fällen einfach in der Erwartung zum Ausdruck kommt, dass Unternehmen mit schlechter Corporate Governance zukünftig weniger Schaden anrichten können.

Wir sehen jedoch nur begrenztes Kurspotenzial durch Governance-Reformen. In den kommenden Jahren werden Unternehmen die Möglichkeit haben, sich im Umgang mit ihren Minderheitsaktionären wirklich von der Konkurrenz abzuheben. Es liegt an den Unternehmen selbst, zu handeln und den positiven Beispielen des koreanischen Bankensektors zu folgen. Für Schlupflöcher, Verzögerungstaktiken und Anfechtungen dürfte jedoch auch zukünftig Spielraum bleiben. Und so können koreanische Unternehmen selbst entscheiden, ob sie durch gute oder schlechte Governance auffallen wollen. Wir halten – leider – beides für wahrscheinlich.

Wird Südkorea endlich Industrieland?

Unser drittes Fazit: Südkoreanische Aktien gewinnen nach einer langen Flaute national und international wieder an Bedeutung, weshalb sich auch die Gerüchte über eine mögliche Hochstufung des Landes auf den Status eines Industrielandes durch MSCI verdichten.

Nach unserer Einschätzung ist ein solcher Schritt jedoch bis auf Weiteres unwahrscheinlich, zumal der koreanische Won weiterhin nicht vollständig frei konvertierbar und der Aktienmarkt nicht problemlos zugänglich ist. Und solange Leerverkaufsverbote und kursabhängige Handelsrestriktionen möglich bleiben, stehen die Chancen für ein schnelles Upgrade aus unserer Sicht eher schlecht.

Für die Regierung wäre der Status als Industrieland ein Prestige-Erfolg, die Vorteile für den Markt und die Aktien – eine Handvoll Global Player einmal abgesehen – sind dagegen fraglich. Vor nicht einmal 18 Monaten wurde in Südkorea das Kriegsrecht ausgerufen. Vielleicht wäre die relative Stabilität, die der anhaltende Status als Schwellenland mit sich brächte, keine schlechte Sache.

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