Location
Please select your investor type by clicking on a box:
We are unable to market if your country is not listed.
You may only access the public pages of our website.
In diesem Jahr zieht sich das Orakel von Omaha endgültig aus dem Investment-Geschäft zurück, doch seine zahlreichen Aphorismen dürften auch weiterhin etliche Abnehmer finden. Auf den ersten Blick erscheint das obige Zitat simpel. Mit etwas Abstand betrachtet, offenbart es gleichwohl viele Wahrheiten – nicht nur über die langfristige Natur der Geldanlage (eine schmerzhafte Erfahrung für viele erfahrene Fondsmanager), sondern auch über die Natur verschiedener Anlagephilosophien und ihr Zusammenspiel mit den Märkten.
Für europäische Quality-Investoren waren die letzten Jahre besonders schwierig, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Flaute ihres Anlagestils zusammenfällt mit steigender globaler Nachfrage nach europäischen Aktien. Wohl gemerkt: Es ist keineswegs so, dass die Liebe der Investoren zu einem Anlagestil abgekühlt wäre, der sich seit Jahrzehnten bewährt hat. Vielmehr hatten Quality-Aktien – trotz hoher absoluter Renditen – eine relative Schwächephase in einem Markt, der seit den Tiefstständen nach dem „Tag der Befreiung“ um 18% und in den letzten drei Jahren um 40% gestiegen ist. Oder anders betrachtet: In den letzten zwei Jahren hat der MSCI Europe Index fast 26,2% abgeworfen, der MSCI Europe Value Index fast 36,3% – und der MSCI Europe Quality Index nur 11,5%.1 Das Umfeld war also alles anderes als einfach.
Wir haben wiederholt unsere Abneigung gegen Etikettierungen oder Schubladendenken zum Ausdruck gebracht und werden jetzt nicht damit anfangen, nur weil wir uns an den Umständen stören. Ein besserer Ausgangspunkt wäre daher eine Definition von Qualität als Konzept – für das es leider keine allgemeingültige Definition gibt. Wir gehen jedoch davon aus, dass ein Qualitätsunternehmen in der Regel durch die folgenden drei Eigenschaften auffällt: hohe und beständige Cashflows, hohe und nachhaltige Kapitalrenditen und Wachstumspotenzial (sei es organisch oder anderweitig). Diese Liste ist keineswegs erschöpfend, bildet jedoch zumindest ein übergreifendes Thema ab, das in den Branchen dieser Kategorie häufig große Bedeutung hat, darunter Pharmazeutika, Konsumgüter (sowohl Basis- als auch zyklische Güter) und bestimmte Bereiche der Halbleiterindustrie. Durch Fundamentalanalyse und Bottom-up-Wertpapierauswahl suchen wir nach Unternehmen, die hohe und nachhaltige Gewinne erwirtschaften und so langfristig den Shareholder Value steigern können. Daher landen wir häufig bei solchen „Quality“-Aktien, was allerdings andere Marktsegmente keineswegs ausschließt.
Rein philosophisch haben wir immer geglaubt, dass diese Unternehmen langfristig (also mindestens über einen vollen Marktzyklus bzw. über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren) Mehrrenditen abwerfen sollten – schließlich können sie langfristig den Shareholder Value steigern, Konjunkturflauten und Marktturbulenzen besser überstehen und sich aufgrund ihrer inhärenten Wettbewerbsvorteile und beständigen Renditeprofile an bestehende und neue langfristige Trends anpassen bzw. Kapital aus diesen schlagen. Doch wie die letzten 18 Monate deutlich gemacht haben, kann kein Anlagestil immer Mehrrenditen abwerfen.
Stilzyklusmodelle sind hilfreich, um zu analysieren, in welchem Teil des Geschäfts- oder Wirtschaftszyklus man sich befindet. Der oft aus verschiedenen Phasen bestehende Zyklus lässt sich im Großen und Ganzen in vier Bestandteile zerlegen, die unterschiedlichen Phasen von Wachstum und Rezession entsprechen. Im Style Cycle Framework2 von Bank of America Merrill Lynch (BAML) beispielsweise werden diese als Boom, Abschwung, Rezession und Erholung bezeichnet. In der Vergangenheit haben verschiedene Assetklassen und Anlagestile in unterschiedlichen Phasen des Konjunkturzyklus Mehrrenditen abgeworfen – was nicht überraschen sollte, schließlich wirkt sich die konjunkturelle Lage auch auf Unternehmen aus. Das Modell von BAML deutet darauf hin, dass wir uns derzeit in der Erholungsphase des Zyklus befinden, also einer Phase, in der Value-Aktien, Low-Quality-Aktien, Small Caps und Aktien mit positiver aktueller Kursentwicklung (Momentum) überdurchschnittliche Renditen abwerfen. Genau das war in letzter Zeit an den Märkten zu beobachten: Sinkende Risikoprämien, niedrige Arbeitslosenraten und hohe Unternehmensgewinne erhöhen die Nachfrage nach Risikowerten, die Nachfrage nach Sicherheit und Qualität ist dagegen im Keller. Besonders interessant ist dabei, dass die aktuelle Erholungsphase nun schon seit 19 aufeinanderfolgenden Monaten andauert, was sie zur längsten der Geschichte macht.
Auf Sektorebene steckt der Teufel jedoch – wie immer – im Detail. Pharmaunternehmen wurden von sektorspezifischen Problemen geplagt, die ihren Ursprung zum Teil in den Drohungen der Trump-Administration haben, in die Preisgestaltung einzugreifen. Die Folge waren fallende Kurse trotz hoher Gewinne und prall gefüllter Entwicklungspipelines. Die Luxusgüterbranche leidet unter der Konjunkturflaute in China – und unter dem Höhenflug der letzten zehn Jahre. Auf der anderen Seite der Skala stehen die europäischen Rüstungswerte. Die Kombination aus einem Krieg an der Grenze und der wackeligen US-Garantie für den Kontinent sowie für die NATO im weiteren Sinne hat zu einem Anstieg der Verteidigungsausgaben und zu außerordentlich hohen Renditen in dem Sektor geführt. Wenn man bedenkt, dass die meisten Rüstungsunternehmen noch vor wenigen Jahren nicht einmal ihre Kapitalkosten decken konnten, ist diese Kehrtwende beeindruckend.
Das bringt uns zu folgender Beobachtung: Obwohl die Anleiherenditen seit Jahresbeginn in vielen Ländern gesunken sind – Qualitätsaktien entwickeln sich häufig in entgegensetzte Richtung der Anleiherenditen – und viele europäische Qualitätsaktien im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt günstig bewertet sind, liegen sie relativ auf einem Siebenjahrestief. Anleger stellt dieses Tief vor ein uraltes Problem: Sollten sie an ihrer Anlagephilosophie festhalten und die Schwächephase einfach aussitzen? Oder sollten sie sich an Veränderungen im Marktumfeld anpassen, die länger anhalten könnten als erwartet – für den Fall, dass die Irrationalität der Märkte länger anhält als ihre Solvenz.
Vielleicht, dafür gibt es zumindest Hinweise, hat sich in der Unternehmenswelt ein fundamentaler Wandel vollzogen, sodass Qualität nicht mehr das ist, was sie einmal war. Wir begegnen dieser Idee jedoch äußerst skeptisch, vor allem angesichts der bereits erwähnten Länge des aktuellen Zyklus. Einige Kommentatoren werfen inzwischen die Frage auf, ob nicht alle europäischen Banken (und nicht nur einige der traditionell resilienteren und renditestärkeren Unternehmen, die oft im Norden des Kontinents zu finden sind) langfristig zu den Qualitätsaktien gehören. Wir sind an vielen ausgezeichneten Banken aus der Europäischen Union beteiligt. Dennoch würden wir immer darauf hinweisen, dass zyklische, oft hoch verschuldete Unternehmen in günstigen Konjunkturphasen gut aussehen können, ihren Lackmustest jedoch erst in wirtschaftlichen Schwächephasen bestehen müssen. Sowie heute viele mit Sorge auf die Private-Credit-Branche blicken, die noch nie einen größeren Abschwung erlebt hat, glauben wir nicht, dass Unternehmen ihre Konjunkturabhängigkeit einfach so ablegen können.
Die Frage bleibt: Was tun in einem Umfeld, das für den Quality-Stil nicht gerade günstig ist? Als Erstes sollten sich Investoren auf ihre Kompetenz besinnen: fundamentale Bottom-up-Analyse. Ist der Investment Case für jedes ihrer Unternehmen weiterhin überzeugend? Wenn ja, ist eine gründliche, emotionslose Analyse der Aktie erforderlich. Nur so lässt sich feststellen, ob sie trotz Schwächephase einen Zukauf rechtfertigt. Dabei geht es nicht um die Frage, ob es sich um erstklassige Unternehmen handelt, sondern darum, ein Unternehmen unabhängig vom Marktumfeld zu bewerten. Als Zweites sollten Investoren alle Marktsegmente neu bewerten und feststellen, ob sich die – philosophisch betrachtet – unattraktiven Sektoren tatsächlich verändert haben oder ob die Veränderung nur scheinbar ist. Zuletzt kann ein konsequenter Einsatz von Risikoinstrumenten dazu beitragen, Stil-Exposures gegenüber dem Markt durch neue und bestehende Positionen zu „glätten“ und Minderrenditen, wenn diese wahrscheinlich sind, so gering wie möglich zu halten.
Benjamin Graham sagte einmal: „Investieren bedeutet nicht, andere in ihrem Spiel zu schlagen, sondern sich selbst in seinem eigenen Spiel zu beherrschen.“ In einer Welt, die von außerordentlicher Volatilität sowohl in der Wirtschaft als auch an den Märkten geprägt ist, sind seine Worte aktueller denn je.
1 Bloomberg, September 2025
2 Bank of America Merrill Lynch, 2025
Erhalten Sie jetzt aktuelle Investment- und Wirtschaftsanalysen unserer Experten direkt in Ihre Mailbox.
Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Marketingmitteilung, die von folgenden Stellen erstellt und herausgegeben werden kann: im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) von BlueBay Funds Management Company S.A. (BBFM S.A.), die von der Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) reguliert wird. In Deutschland, Italien, Spanien und den Niederlanden ist die BBFM S.A. im Rahmen einer Zweigniederlassungsgenehmigung gemäss der Richtlinie über Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (2009/65/EG) und der Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds (2011/61/EU) tätig. Im Vereinigten Königreich (UK) durch RBC Global Asset Management (UK) Limited (RBC GAM UK), die von der britischen Financial Conduct Authority (FCA) zugelassen und beaufsichtigt wird, bei der US Securities and Exchange Commission (SEC) registriert ist und Mitglied der National Futures Association (NFA) ist, die von der US Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zugelassen ist. In der Schweiz durch die BlueBay Asset Management AG, deren Vertreter und Zahlstelle die BNP Paribas Securities Services, Paris, succursale de Zurich, Selnaustrasse 16, 8002 Zürich, Schweiz ist. Der Erfüllungsort befindet sich am Sitz des Vertreters. Für Klagen im Zusammenhang mit dem Angebot und/oder der Bewerbung von Aktien in der Schweiz sind die Gerichte am Sitz des schweizerischen Vertreters oder am Sitz oder Wohnsitz des Anlegers zuständig. Der Prospekt, die wesentlichen Anlegerinformationen (Key Investor Information Documents - KIIDs), die wesentlichen Informationen über Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsprodukte (Packaged Retail and Insurance-based Investment Products - Key Information Documents - PRIIPs KIDs), soweit zutreffend, die Satzung und alle anderen erforderlichen Dokumente, wie z.B. die Jahres- und Halbjahresberichte, können kostenlos beim Vertreter in der Schweiz bezogen werden. In Japan durch BlueBay Asset Management International Limited, die beim Kanto Local Finance Bureau des japanischen Finanzministeriums registriert ist. In Asien durch RBC Global Asset Management (Asia) Limited, die bei der Securities and Futures Commission (SFC) in Hongkong registriert ist. In Australien ist RBC GAM UK von dem Erfordernis einer australischen Finanzdienstleistungslizenz gemäss dem Corporations Act befreit, da sie von der FCA nach den Gesetzen des Vereinigten Königreichs reguliert wird, die sich von den australischen Gesetzen unterscheiden. In Kanada durch RBC Global Asset Management Inc. (einschließlich PH&N Institutional), die der Aufsicht der Wertpapieraufsichtsbehörde der jeweiligen Provinz bzw. des Territoriums unterliegt, bei der sie registriert ist. RBC GAM UK ist nicht nach den Wertpapiergesetzen registriert und beruft sich auf die Ausnahmeregelung für internationale Händler nach den geltenden Wertpapiergesetzen der Provinzen, die es RBC GAM UK erlaubt, bestimmte spezifizierte Händlertätigkeiten für in Kanada ansässige Personen auszuüben, die als "zugelassener kanadischer Kunde" im Sinne der geltenden Wertpapiergesetze gelten. In den Vereinigten Staaten durch RBC Global Asset Management (U.S.) Inc. („RBC GAM-US“), einen bei der SEC registrierten Anlageberater. Die oben genannten Unternehmen werden in diesem Dokument gemeinsam als „RBC BlueBay“ bezeichnet. Die angegebenen Registrierungen und Mitgliedschaften sind nicht als Befürwortung oder Genehmigung von RBC BlueBay durch die jeweiligen lizenzierenden oder registrierenden Behörden auszulegen. Nicht alle hierin beschriebenen Produkte, Dienstleistungen oder Anlagen sind in allen Rechtsordnungen verfügbar, und einige sind aufgrund lokaler aufsichtsrechtlicher und rechtlicher Anforderungen nur eingeschränkt verfügbar.
Dieses Dokument ist nur für „Professionelle Kunden“ und „Geeignete Gegenparteien“ (im Sinne der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente („MiFID“) oder der FCA) oder in der Schweiz für „Qualifizierte Anleger“ im Sinne von Artikel 10 des Schweizerischen Kollektivanlagengesetzes und seiner Ausführungsverordnung oder in den USA für „Zugelassene Anleger“ (im Sinne des Securities Act von 1933) oder „Qualifizierte Käufer“ (im Sinne des Investment Company Act von 1940) bestimmt und sollte von keiner anderen Kundenkategorie als verlässlich angesehen werden.
Sofern nicht anders angegeben, wurden alle Daten von RBC BlueBay bezogen. Dieses Dokument ist nach bestem Wissen und Gewissen von RBC BlueBay zum Zeitpunkt der Erstellung wahr und korrekt. RBC BlueBay gibt keine ausdrücklichen oder stillschweigenden Garantien oder Zusicherungen in Bezug auf die in diesem Dokument enthaltenen Informationen und lehnt hiermit ausdrücklich alle Garantien in Bezug auf Genauigkeit, Vollständigkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck ab. Meinungen und Schätzungen stellen unser Urteil dar und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. RBC BlueBay bietet keine Anlage- oder sonstige Beratung an, und nichts in diesem Dokument stellt eine Beratung dar und sollte auch nicht als solche interpretiert werden. Dieses Dokument stellt weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren oder Anlageprodukten in irgendeiner Rechtsordnung dar und dient ausschliesslich Informationszwecken.
Kein Teil dieses Dokuments darf zu irgendeinem Zweck oder auf irgendeine Art ohne die vorherige, schriftliche Einwilligung von RBC BlueBay reproduziert, weiterverteilt, direkt oder indirekt an irgendeine andere Person übermittelt bzw. ganz oder auszugsweise veröffentlicht werden. Copyright 2023 © RBC BlueBay. RBC Global Asset Management (RBC GAM) ist die Vermögensverwaltungsdivision der Royal Bank of Canada (RBC), zu der die RBC Global Asset Management (U.S.) Inc. (RBC GAM-US), RBC Global Asset Management Inc., RBC Global Asset Management (UK) Limited und RBC Global Asset Management (Asia) Limited gehören, bei denen es sich um separate, aber verbundene Unternehmen handelt. ® / Eingetragene Marke(n) der Royal Bank of Canada und BlueBay Asset Management (Services) Ltd. Verwendet unter Lizenz. BlueBay Funds Management Company S.A., eingetragener Sitz 4, Boulevard Royal L-2449 Luxemburg, in Luxemburg unter der Nummer B88445 eingetragene Gesellschaft. RBC Global Asset Management (UK) Limited, eingetragener Firmensitz 100 Bishopsgate, London EC2N 4AA, eingetragen in England und Wales unter der Nummer 03647343. Alle Rechte vorbehalten
Erhalten Sie jetzt aktuelle Investment- und Wirtschaftsanalysen unserer Experten direkt in Ihre Mailbox.