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Gleichzeitig wetten Anleger auf eine Zoll-Niederlage für Trump vor dem US-Supreme Court, was die Staatsverschuldung noch weiter in die Höhe treiben könnte. Und in New York gewinnen die Demokraten mit jugendlichem Elan, der auch Trump gefährlich werden könnte, meint Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Hier sein aktueller Marktkommentar:
Die Euphorie um KI wich in der vergangenen Woche der Sorge um eine mögliche KI-Blase. Das hat die Aktienkurse belastet. Allerdings dürfte sich die starke Gewinndynamik der Technologieunternehmen kurzfristig fortsetzen. Es sieht danach aus, dass sich das Tempo der Investitionsausgaben eher weiter beschleunigt als verlangsamt.
Vor diesem Hintergrund waren auch die neuen Jumbo-Unternehmensanleihen von Google und Meta interessant, die letzte Woche emittiert wurden. Beide Unternehmen waren früher riesige Cash-Maschinen, gehören nun aber zu den Vorreitern, die diese Mittel investieren. Deshalb setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass das große Angebot an Unternehmensanleihen die Spread-Rallye begrenzen könnte.
Die KI-Ausgaben in den USA werden voraussichtlich von rund 75 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr auf 300 Milliarden US-Dollar 2026 steigen. Angesichts dieser Investitionssumme halten wir es für wahrscheinlich, dass die BIP-Prognosen für nächstes Jahr weiter nach oben korrigiert werden.
Wir sind uns allerdings auch bewusst, dass der Strombedarf höher steigen könnte als das Angebot, wenn Rechenzentren in Betrieb genommen werden. Da Unternehmen bereit sind, für die sichere Bereitstellung von Kapazitäten zu zahlen, könnte dies nächstes Jahr potenziell für steigende Strompreise sorgen.
Die Aussicht auf ein robustes US-Wachstum bei höherer Inflation bedeutet, dass wir selbst bei einem anhaltend schwachen Arbeitsmarkt keine Gründe für mehrere Zinssenkungen der Fed in den nächsten Monaten sehen. Daraus lässt sich ableiten, dass die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen langfristig in einer Spanne zwischen 4 % und 4,25 % liegen könnten.
Der Shutdown dauert nun bereits den zweiten Monat an. Eine Folge davon ist, dass mehrere Wirtschaftsindikatoren nun gar nicht mehr veröffentlicht werden, da die Daten nicht erhoben werden. Das heißt: Wenn es nicht bald zu einer Lösung kommt, wird die Fed nicht in der Lage sein, in der Dezember-Sitzung den Arbeitsmarktbericht des Vormonats zu beurteilen.
Auch der US-Supreme Court zog in der vergangenen Woche Aufmerksamkeit auf sich. Die Richter meldeten erhebliche Bedenken hinsichtlich der von Trump im Rahmen des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) verhängten Zölle an.
Eine endgültige Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wird möglicherweise erst Ende dieses Jahres fallen, aber die Wettmärkte gehen derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 % davon aus, dass das Urteil gegen den US-Präsidenten gesprochen wird. Damit würden die Zölle ihre Gültigkeit verlieren. Für diesen Fall erwarten wir, dass die US-Regierung pauschale, branchenweite Zölle verhängen wird, um ihre Einnahmen zu sichern.
Wir halten es für unwahrscheinlich, dass Unternehmen erfolgreich gegen die bereits gezahlten Zölle vorgehen können, um eine Entschädigung oder Rückzahlung zu erwirken. Dennoch dürfte der durchschnittliche effektive Zollsatz in diesem Szenario um einige Prozentpunkte sinken. Dies könnte sich dann negativ auf die Renditen langlaufender Anleihen auswirken, wenn dadurch die Prognosen zur US-Verschuldung steigen würden. Dieses Szenario hat in der vergangenen Woche bereits dazu beigetragen, dass die US-Zinsstrukturkurve steiler wurde.
An den Devisenmärkten hat der US-Dollar weiter an Stärke gewonnen. Anleger, die Short-Positionen eingegangen waren, bewerten die Situation aufgrund der Aussichten auf ein stärkeres Wirtschaftswachstum in den USA neu. Das britische Pfund hat sich dagegen unterdurchschnittlich entwickelt. Wir glauben, dass die britische Regierung sogar sehr froh über ein schwächeres Pfund wäre, um die Auswirkungen ihrer Steuerpläne abzumildern.
Der kanadische Dollar wurde ebenfalls schwächer gehandelt, da sich die Hoffnungen auf Fortschritte bei den Zöllen und dem Handel mit den USA abgekühlt haben. Auch die Preise für Edelmetalle sind gesunken; die Spekulationslust lässt offenbar nach. Das war auch bei digitalen Vermögenswerten zu beobachten. Der Bitcoin liegt 20 % unter seinem Höchststand und ist damit wieder auf das Kursniveau zu Beginn des Jahres gesunken.
Das Fehlen von US-Wirtschaftsdaten ebenso wie die Inaktivität der Zentralbank könnte oberflächlich betrachtet für eine ruhige Woche sorgen, aber tatsächlich gibt es viele andere Faktoren, die den Markt bewegen.
Ein US-innenpolitischer Schwerpunkt der vergangenen Woche war die Bürgermeisterwahl in New York, bei der der 34-jährige Zohran Mamdani mit über 50 % der Stimmen gewählt wurde. Als sozialistischer Demokrat ist Mamdani auf nationaler Ebene eine polarisierende Figur. Trump provoziert und verspottet den „kleinen Kommunisten“ wie er ihn nennt.
Die Wahl hat den Demokraten gezeigt, dass sie mit populären (und jungen) Kandidaten einen Weg zurück in die Zwischenwahlen finden könnten, die nächstes Jahr um diese Zeit stattfinden werden.
Ob der Weg für die Demokraten in eine progressivere, sozialistischere Richtung führt, wie es Mamdani und andere wie Bernie Sanders fordern, ist fraglich. In gewisser Weise hat die Wut auf Trump zwar eine polarisierende Wirkung. Aber politische Kämpfe werden in den USA in der Regel in der Mitte gewonnen. Zohran täte gut daran, das zu beherzigen. Wenn er das tut, könnte er eine lange politische Karriere vor sich haben ...
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