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Hier sein aktueller Marktkommentar:
Die Ereignisse im Nahen Osten dominierten die Finanzmärkte auch diese Woche. Anleihen und Aktien legten am Montag kräftig zu, nachdem sie zu Wochenbeginn deutlich niedriger eröffnet hatten. Der Grund war Trumps Tweet, die Gespräche mit dem iranischen Regime kämen gut voran. Doch der Iran dementierte, und die Rallye ebbte wieder ab. Im Nebel des Krieges rätseln Anleger, wem sie glauben sollen.
Vereinfacht gesagt sehen wir zwei Szenarien:
Im ersten Szenario verlängert Trump die Fristen für Gespräche immer wieder neu und behauptet, es würden Fortschritte erzielt, obwohl die Feindseligkeiten vor Ort weitergehen. Letztendlich enden die meisten Kriege mit einer Art Verhandlungslösung. Im Rahmen der laufenden Gespräche ist es möglich, dass die USA dem Iran so weit entgegenkommen, dass sie in den nächsten Wochen ein Ende des Krieges erklären können.
In diesem Szenario sehen wir die Ölpreise wieder auf rund 80 US-Dollar zurückfallen. Dennoch würden die anhaltenden Handelshindernisse die Inflation weltweit um etwa 0,8 % steigern und damit das Wachstum um 0,4 % belasten. In einem solchen Szenario können sich Risikoanlagen erholen, werden aber wahrscheinlich nicht die früheren Höchststände bei Aktien oder die engen Credit Spreads erreichen. Wir gehen zudem davon aus, dass die EZB vor diesem Hintergrund die Zinsen als Absicherung um 0,25 % anheben könnte, während die Bank of England und die Fed ihre Geldpolitik wahrscheinlich unverändert beibehalten werden.
Im zweiten Szenario kommen die USA zu dem Schluss, dass die Gespräche ins Leere laufen und die einzige Option darin besteht, ein Ende des Krieges herbeizuführen. Allerdings möchten Saudi-Arabien und andere Golfstaaten vermeiden, dass künftig die Islamische Revolutionsgarde als regionale Mafia auftritt, den Zugang und die Durchfahrt der Straße von Hormus kontrolliert und die Anliegerstaaten erpresst.
In diesem Szenario löst eine von den USA geführte Bodenoffensive eine weitere Eskalation des Konflikts aus, und der Iran versucht, durch anhaltende Angriffe so viel Schaden wie möglich anzurichten, in der Hoffnung, dass dies die Weltwirtschaft, die Finanzmärkte und die USA in die Knie zwingt. Eine derartige Eskalation wäre äußerst problematisch, und in einem solchen Fall könnten wir davon ausgehen, dass dadurch in den nächsten 12 Monaten effektiv 10 Millionen Barrel Öl (rund 10 % der weltweiten Produktion) vom Markt genommen werden, bevor das Angebot anderswo erhöht werden kann, um die Lücke zu schließen.
Im Falle einer Eskalation gehen wir davon aus, dass die USA rasch Maßnahmen ergreifen werden, um Energieexporte zu beschränken und die Inlandspreise zu drücken, um US-Verbraucher und -Unternehmen vor den schlimmsten Auswirkungen des Konflikts zu schützen. Die Auswirkungen auf die europäischen und asiatischen Volkswirtschaften dürften jedoch schwerwiegend sein, wobei die Ölpreise bis zum Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage steigen müssten – wahrscheinlich auf über 150 Dollar pro Barrel für Brent-Rohöl.
Damit dürfte die US-Wirtschaft weiterhin ein BIP-Wachstum von rund 2 % verzeichnen, bei einer Inflation von bis zu 4 %. Europa und das Vereinigte Königreich hingegen dürften in diesem Szenario in eine Rezession abgleiten, mit einem Verbraucherpreisindex von 4 % in der Eurozone und von 6 %im Vereinigten Königreich.
In diesem Fall könnte die Fed zu einer Zinserhöhung gedrängt werden, würde aber wohl versuchen, ihre Politik unverändert weiterzuverfolgen. Gleichzeitig könnten die EZB und auch die Bank of England gezwungen sein, über die nächsten Monate die Leitzinsen um 100 Basispunkte anzuheben. Ziel wäre es zu verhindern, dass ein Energiepreisschock die mittelfristigen Inflationserwartungen aus den Angeln hebt.
Dieses ungünstige Szenario dürfte wohl die Staatskassen zusätzlich belasten – durch sinkende Steuereinnahmen, Verbraucherschutzmaßnahmen gegen steigende Energiekosten und die dringliche Aufgabe, die Verteidigungsbudgets angesichts der instabilen internationalen Lage aufzustocken. Für Staatsanleihen bedeutet das, dass die Renditen für alle Laufzeiten weiter steigen könnten. Auch für risikoreichere Anlageklassen dürften dann eine deutlichere Neubewertung anstehen.
Eine solche Neubewertung hat sich an den Zinsmärkten bereits vollzogen. Bei Aktien und Unternehmensanleihen dagegen waren die Bewegungen im Vergleich dazu moderat. Diese Entwicklung lässt sich zum Teil durch die Ereignisse des letzten Jahres erklären. Die Kehrtwende in der Geldpolitik im April 2025 war der Auslöser für anhaltend steigende Kurse gewesen.
Über die Lage im Nahen Osten hinaus beschäftigt die Märkte weiterhin eine zunehmende Anspannung im Bereich der Private Assets. Angesichts des hohen Leverage ist zu beobachten, dass die seit 2022 gestiegenen Zinsen und somit Kreditkosten den freien Cashflow aufzehren. Dadurch können die betroffenen Unternehmen weniger Gewinne erwirtschaften, was wiederum ihre Chance auf einen Börsengang beeinträchtigt.
Private Assets stecken in der Sackgasse, und es braucht nicht mehr viel, bis Wertminderungen auf der Tagesordnung stehen. Bei Ausfallquoten von über 5 % und weiteren 20 % im Bereich der Payment-in-Kind-Variante, bei der keine Kupons gezahlt werden, baut sich der Druck bereits seit einiger Zeit auf.
Nun aber hat sich der gelpolitische Wind gedreht, und statt Zinssenkungen wird eher eine Straffung erwartet – eine toxische Situation für übermäßig verschuldete Kreditnehmer, die die Private Market zusätzlich belastet. Und das zu einer Zeit, in der Abschreibungen auf das Portfolio die Stimmung gegenüber dieser Anlageklasse ohnehin trüben.
Dennoch dürfte ein größerer Einbruch auf den Private Markets unserer Ansicht nach keine systemischen Folgen haben, da die Investorenbasis diversifiziert und über einen längeren Zeitraum in den Investments gebunden ist. An den Börsen könnte es zu Emissionsdruck kommen, da einige Emittenten wieder Kredite und Anleihen begeben, wenn die Nachfrage nach nicht-börsengehandelten Vermögenswerten versiegt. Das könnte die Spreads belasten.
Es ist zudem wahrscheinlich, dass eine Korrektur größeren Ausmaßes an den Private Markets die Bilanzen der US-Banken aufgrund ihres Exposures belastet. Europäische Banken scheinen besser positioniert zu sein.
Ausblick
Höhere Öl- und Gaspreise haben bereits weltweit wirtschaftliche Auswirkungen. Inflationsprognosen werden nach oben und Wachstumsprognosen nach unten korrigiert. Hinzu kommen die ukrainischen Angriffe auf russische Häfen, die bis zu 40 % der potenziellen Ölexportlieferungen ausmachen. Die Ukraine will sicherstellen, dass Russland sich nicht als Kriegsgewinner präsentieren kann, wenn höhere Rohölpreise die Staatskassen füllen.
Die durch die Energiepreise erzeugte Belastung der Wirtschaft wird möglicherweise nicht in allen Ländern im selben Ausmaß zu spüren sein, weil manche Staaten zum Schutz des Inlandsmarkts über Force-Majeure-Klauseln ihre Exporte begrenzen können. Hinzu kommen wahrscheinlich schwächere Ernten aufgrund von Engpässen bei der Düngemittelversorgung – ein Risiko für steigende Lebensmittel-Inflation.
Gleichzeitig könnte ein Heliummangel die Produktion von High-End-Chips beeinträchtigen und zu Engpässen führen, was sich ebenfalls in geringerem Wachstum und höheren Preisen niederschlagen würde.
Angesichts einer Flut widersprüchlicher Informationen ist es schwierig, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Vielleicht sind Trumps Behauptungen über Fortschritte in den Verhandlungen ein Ablenkungsmanöver, um Zeit zu gewinnen, während er Truppen für einen Angriff zusammenzieht. Vielleicht ist der Iran stärker an einer Einigung und an der Beendigung des Konflikts interessiert ist, als er derzeit behauptet.
Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass die Märkte das Gefühl haben, auf Messers Schneide zu stehen. Selbst US-Kommentatoren stehen den Äußerungen ihres eigenen Oberbefehlshabers mitten im Krieg skeptisch gegenüber.
Heute mögen eindeutige Antworten schwer zu finden sein, doch in den nächsten Tagen dürfte sich Vieles klären. Bis dahin ist es sinnvoll, abzuwarten; uns fällt jedoch auf, dass die Anleihemärkte einen Inflationsschock bislang deutlich schneller eingepreist haben als Risikoanlagen den Wachstumsschock. Mit Blick auf die Zukunft könnte sich dies in einem ungünstigeren Szenario durchaus umkehren.
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