Eskalation nach den Midterms?

Oct 30, 2026

Der Irankrieg treibt die Energiepreise in die Höhe, und die davon belasteten Wähler wenden sich von Donald Trump ab.

Eine kriegerische Eskalation und damit ein weiterer Preisauftrieb war deshalb bis zu den Midterms unwahrscheinlich – doch wie sieht es danach aus? Und wie sehr fällt die öffentliche Meinung noch ins Gewicht für einen Präsidenten, der ohnehin schon unbeliebt ist, fragt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

Die Renditen von US-Staatsanleihen blieben nahezu unverändert, nachdem die Federal Reserve diese Woche beschlossen hatte, die Zinsen bei 3,88 % zu belassen. Das entsprach der allgemeinen Erwartung. Doch Kevin Warsh tat wenig, um die Erwartung weiterer Zinsschritte im Dezember und dann erneut im ersten Quartal des nächsten Jahres zu entkräften.

Wäre das der Fall, so würden  insgesamt drei Zinserhöhungen die von Fed-Chef Powell im Jahr 2025 eingeleitete Lockerung rückgängig machen. Ab diesem Zeitpunkt könnte die Geldpolitik der Fed wieder als neutral gelten. Da die Inflation in den USA nun jedoch seit fast sechs Jahren über dem Zielwert liegt, ist es unwahrscheinlich, dass die Fed eine entspanntere Haltung einnehmen kann, bis die Inflation sinkt und das Tempo der Preissteigerungen deutlich näher am 2-Prozent-Ziel liegt als dies derzeit der Fall ist. 

Unterdessen scheint der Trommelschlag des Krieges im Nahen Osten immer lauter zu werden. Die Versuche, eine Friedensvereinbarung zwischen den USA und dem Iran auszuhandeln, sind weitgehend ins Stocken geraten, da keine der beiden Seiten bereit zu sein scheint, von ihrer festgefahrenen Position abzuweichen. Vor den US-Zwischenwahlen vermeidet Präsident Trump alle Maßnahmen, die den Energiepreisen weiter Aufschub geben könnten. Doch danach dürfte dieses Hindernis für eine weitere Eskalation wegfallen.

In der Regierung herrscht die Auffassung, dass man dem Iran im aktuellen Konflikt keinen Sieg zugestehen darf. Da die Falken auf die Absicht des Irans verweisen, sein Atomprogramm zu beschleunigen, besteht Einigkeit darüber, dass eher früher als später gehandelt werden muss. 

Dennoch besteht nach wie vor eine sehr starke Ablehnung des Einsatzes von US-Bodentruppen. Iran weiß das und geht zudem davon aus, dass ein Bombardement nur begrenzten Erfolg haben dürfte. Die Logik gebietet, dass Iran sich verschanzt und nicht kapituliert. Darüber hinaus kann Iran in dieser Konstellation seinen Nachbarn in der Region weiterhin erheblichen Schaden zuzufügen, was als Abschreckung gegen ein Vorgehen der USA dienen dürfte.

Wenn allerdings Emotionen über Logik siegen, bleibt eine Eskalation möglich. Die Folge wäre ein weiterer Anstieg der Energiepreise auf beiden Seiten und eine weitere Verstärkung des Inflationsschocks in der gesamten Weltwirtschaft. Wir halten den Zeitpunkt für günstig, um Positionen mit langer Duration von Anleihen aus Industrieländern zu schließen.

In Europa gab Christine Lagarde ihren Rücktritt als Präsidentin bekannt und leitete damit den Wettlauf um ihre Nachfolge ein. Anderswo hingegen haben die TTF-Gas-Futures in der vergangenen Woche die 100-Euro-Marke überschritten, was zum Teil auf Sorgen bezüglich Versorgungsengpässen in einem angespannten Markt zurückzuführen ist.

Gespräche mit Rohstoffanalysten deuten darauf hin, dass höhere Ölpreise die Gasnachfrage aus Asien stützen. Da die Europäer weiterhin Vorräte aufbauen müssen, ist ein weiterer Preisanstieg im November wahrscheinlich. Die Inflation in der Eurozone dürfte nun die Marke von 4,5 % testen – der Verbraucherpreisindex liegt bereits bei 3,8 %. Folglich ist es weiterhin sehr wahrscheinlich, dass die EZB im Dezember und erneut im ersten Quartal die Zinsen anheben wird, um die Preisstabilität zu gewährleisten.

Unterdessen sorgt zumindest eine Entspannung der Lage in Frankreich in den letzten Tagen für willkommene Erleichterung. Wie wir bereits letzte Woche angemerkt haben, schienen französische OATs überverkauft zu sein, mit Spreads, die denen Albaniens in nichts nachstanden.

Da Moody’s am vergangenen Freitag das Kreditrating für Frankreich bei Aa3 belassen hat, hat sich der Verkaufsdruck kurzfristig etwas entspannt. Die strukturellen Probleme in Frankreich bleiben jedoch ungelöst. Wir haben französische Wertpapiere gekauft, als deren Risikoaufschläge am höchsten waren. Nun beginnen wir damit, diese Positionen wieder zu reduzieren.

Der britische Haushalt verlief weitgehend ereignislos, wobei Finanzministerin Healey sich bemühte, die Finanzmärkte nicht zu verunsichern. Die Labour-Partei hat in den letzten Wochen in den Umfragen einen Vorsprung ausgebaut, und da auch Burnham der Ansicht ist, dass eine pro-EU-Kampagne ihm Stimmen einbringen wird, steigt die Begeisterung unter den Parteistrategen allmählich.

Für die Reformpartei verlief das Jahr 2026 schlecht, und da sich das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Konservative Partei unter Kemi Badenoch nur langsam wieder aufbaut, könnte Burnham durchaus versucht sein, im ersten Quartal Neuwahlen anzusetzen, bevor die schlimmsten Auswirkungen des Inflationsschocks und des darauf folgenden Zinsschocks spürbar werden. 

Es wird erwartet, dass die Bank of England nächste Woche die Zinsen anheben wird. Obwohl sie im Vergleich zu anderen Zentralbanken eine zurückhaltende Haltung beibehalten dürfte, erwarten wir eine Reihe von Zinserhöhungen in den kommenden Monaten. Die von der staatlichen Regulierungsbehörde für den Strom- und Gasmarkt festgelegten Energiekosten sollen bis zum kommenden April um 38,6 % steigen, was den britischen Verbraucherpreisindex auf über 5 % anheben dürfte.

Der unaufhaltsame Anstieg der Gas-Terminkontrakte diese Woche ist damit äußerst unwillkommen. Die britische Wirtschaft hat sich seit Jahresbeginn tatsächlich besser entwickelt, als wir und viele andere erwartet hätten. Allerdings verschärfen sich die Probleme auf dem Immobilienmarkt, und wir befürchten noch weitere schlechte Nachrichten. Darüber hinaus ist es schwer vorstellbar, dass die Inflation noch vor Mitte des Sommers wieder nachlassen könnte.

Ausblick

Im Mittelpunkt der kommenden Woche stehen die US-Zwischenwahlen und die darauf folgenden Entwicklungen. Wir erwarten eine herbe Nacht für die Republikanische Partei – die Demokraten dürften die klare Kontrolle über beide Kammern des Kongresses übernehmen. Im Gespräch mit Aktivisten werden Bestrebungen für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump deutlich. Zwar verfügen die Demokraten bei weitem nicht über die erforderliche Anzahl an Stimmen, doch desillusionierte Republikaner könnten versuchen, mit einem Königsopfer ihre eigene Popularität zu stärken. Das wäre noch vor wenigen Wochen undenkbar gewesen, und dass es jetzt zum Gesprächsthema wird, zeigt nur, wie tief die Zustimmungswerte des Präsidenten gesunken sind. 

Andererseits: Bei derart niedrigen Zustimmungswerten könnte Trump aufhören, sich der Masse anzubiedern. Er weiß, dass der Krieg im Nahen Osten bei den Wählern weitgehend unpopulär ist, könnte sich aber ideologisch verpflichtet fühlen, die dunkle Macht zu besiegen, die das iranische Regime seiner Ansicht nach verkörpert.

Nur wenige Personen aus dem engsten Umfeld des Präsidenten sind bereit, seine Weisheit in Frage zu stellen oder seine Aktionspläne zu hinterfragen – das könnte einen möglichen politischen Fehler begünstigen. Natürlich ist es schwierig, die Wahrscheinlichkeit für eine militärische Eskalation anzugeben, doch ein Risiko von 30 % erscheint für November durchaus nachvollziehbar. Anleger könnten sich gezwungen sehen, dieses Risiko in ihre Überlegungen und Positionierungen auf den globalen Märkten einzubeziehen.

Renditen und Spreads bieten deutlich mehr Wertpotenzial als noch zu Beginn dieses Jahres, und wir halten es zum jetzigen Zeitpunkt für unangemessen, eine allzu pessimistische Einschätzung abzugeben. Allerdings gab es im Jahr 2026 bereits eine Reihe von Wendepunkten. Wichtig war hier immer das Wissen, wenn man mehr und wann weniger Risiko eingehen sollte, um im Fall von Marktverwerfungen Positionen aufstocken zu können. Hoffentlich sind wir in den kommenden Wochen gut darauf vorbereitet, sollte ein solcher Fall eintreten.

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